Crowdfunding für die Zukunft der Berliner Kultur?

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 26.01.2014 – Die Berliner Kultur hilft sich selbst. Auf den ersten Blick scheint das so zu sein. Crowdfunding heißt das Zauberwort zur Bewahrung der wegen des allerorts chronischen Mangels an Steuergeldern bedrohten Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft. Am 4. Februar 2014 präsentiert sich das neue Informationsportal crowdfunding-berlin.de mit 50 Projekten. Crowdfunder, Netzwerker und die Berliner Politik diskutieren über Zukunft, Chancen und Herausforderung des Crowdfunding für die Berliner Kultur.

Crowdfunding macht’s möglich. Interessante Reportagen und gute Sachbücher über Themen jenseits des Populären haben in ausgedünnten Redaktionen und in den ums Überleben kämpfenden Verlagen keine Chance auf eine Finanzierung. In diese Bresche springt ein Schwarm von Idealisten, für die nicht das gute Gefühl selbstlosen Handelns zählt, sondern die Freude an außergewöhnlichen Werken. Krautreporter.de ist so ein Wegbereiter:

  • Neuschwabenland – das Buch. Was steckt hinterm Mythos um die Nazi-Antarktisbasis? Und wer glaubt bis heute daran? €6.517 finanziert, noch 21 Tage.
  • Abu Youssef – Heimat ist Heimat. Eine Geschichte über das Leben als palästinensischer Gastarbeiter in Deutschland und die Rückkehr in die Heimat des Herzens. €0 finanziert, 31 Tage übrig.
  • ecke:sòcrates: WM in Brasilien – Soziales Pulverfass oder Chance? ecke:sócrates sucht vor Ort mittendrin und jenseits des Fußballtrubels nach Hintergründen. €1.700 finanziert, noch 13 Tage Projektlaufzeit.

Crowdfans.de hat nur ein einziges aktives Projekt: Der Schriftsteller Georg Martin Erny sammelt Geld für eine Lesereise, um den ersten Band seines Buches Snitchbottle zu präsentieren. Bis jetzt sind €424 zusammen gekommen. €8,4 Millionen für 1.386 Projekte. Das ist die Bilanz von Startnext. Erfolgreiche Kategorien sind Film/Video, Musik, Theater und Literatur. Aus Berlin stammen die meisten Projekte, momentan sind es 35.

Kulturfinanzierung durch Crowdfunding ist ein zartes Pflänzchen. In Berlin leben und arbeiten grob geschätzt 5.000 bildende Künstler, 1.200 Schriftsteller, 1.500 Musikgruppen, 500 Jazz-Musiker, 103 professionelle Orchester und Musikensembles, 1.500 Chöre, 300 Theatergruppen sowie 1.000 Tänzer. Die Berliner Senatsverwaltung für Kultur will dazu beitragen, dass diese Künstler gerne in Berlin leben und arbeiten. Für insgesamt 27 Förderprogramme werden jährlich €20 Millionen ausgegeben. Angesichts dieser Zahlen hat kulturorientiertes Crowdfunding ein riesiges Potenzial. Aber wie mobilisiert man das dafür nötige bürgerschaftliche Engagement?

Nach dem Willen des Berliner Senats soll das Anfang Februar online gehende Informationsportal crowdfunding-berlin.de ein erster Schritt sein, um interessierten Bürgern Wege aufzuzeigen, wie sie an der Entstehung spannender Kulturprojekte teilhaben können. Diese Form des Crowdfunding ist belohnungs-basiert. Wer Geld gibt, bekommt im Gegenzug eine Eintrittskarte, nimmt an einem Event mit den Künstlern teil, erhält eine CD, ein Poster oder eine andere Aufmerksamkeit. Auch bei der Auswahl von Belohnungen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Möglicherweise lassen sich die Kreativen sogar dazu hinreißen, ihren potenziellen Förderern die Rückzahlung des bereitgestellten Kapitals einschließlich einer Rendite zu versprechen. Das wäre ein höchst ambitioniertes Unterfangen. Hohe Eintrittspreise, Werbeeinblendungen und die aufdringliche Nennung von Sponsoren verträgt sich nicht mit der vorwiegend von Idealismus getragenen Welt der Kultur. Von künstlerischer Unabhängigkeit mal ganz zu schweigen.

Bei der Auftaktveranstaltung Crowdfunding Berlin sitzen Vertreter von Seedmatch, Companisto, Innovestment, Bergfürst, Welcome Investment, Finmar und der IBB Beteiligungsgesellschaft mbH auf dem Podium. Deren Klientel erwartet für das Eingehen überaus hoher Verlustrisiken eine angemessene Rendite. Der eine oder andere Investor träumt sogar davon, durch einen lukrativen Exit richtig Geld zu verdienen. Einzelne Kulturprojekte kommen für diese Crowdfunder nicht in Frage. Vermutlich zielen sie auf spannende Startups der Kreativwirtschaft, wie beispielsweise

  • VANBLACK, ein Videomarketing-Studio für Mode, Filme und Musik.
  • Melodyfarm: Musik-Blog, DJ’s und Videos aus Berlin.
  • Lunettes Kollektion: luxuriöse Brillen, die von beiden Geschlechtern getragen werden.

 

Einladung zur Auftaktveranstaltung

Am 4. Februar 2014, 18.30 Uhr, im Podewil (Klosterstr. 68, 10179 Berlin)

Einzelheiten gibt es bei Kulturprojekte-Berlin

 

 

 

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