Familiar Facades für Gesicht und Stimme

facades1CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 25.02.2014 – Familiar Facades, ein Crowdfunding zur Finanzierung multimedialer Arbeiten, die Flüchtlingsschicksale sichtbar machen. Aus Rom schreibt Anna Maldini: “Erst wurde bekannt, dass Flüchtlinge im Auffanglager in Lampedusa zum Teil wie Tiere behandelt werden und jetzt haben acht Migranten in einem Heim in Rom einen grausamen Protest inszeniert. Aus einem Feuerzeug haben sie sich eine Art Nadel gebastelt; dann haben sie Fäden aus einer alten Decke gezogen und sich anschließend damit den Mund zugenäht: Acht Nordafrikaner – vier Tunesier und vier Marokkaner – haben so dagegen protestiert, dass sie seit Monaten in Rom in einem Auffanglager festgehalten werden und dort darauf warten müssen, dass sie offiziell identifiziert werden. Sie alle waren illegal nach Italien gekommen und werden jetzt wie Kriminelle behandelt…” (Neues Deutschland vom 23.12.2013).

Die Menschen im Berliner Lampedusacamp sind zwar eine Station weiter, aber auch ihnen geht es nicht sehr viel besser: “Sie kommen aus zentralafrikanischen Staaten, haben lange in Libyen als Handwerker oder Elektriker gearbeitet, bis 2011 der Bürgerkrieg ausbrach und Muammar al Gaddafi mit Nato-Hilfe von Rebellen gestürzt wurde. Ahmed, Dicksen und John flohen auf Booten übers Mittelmeer nach Italien, und weil das Land sich überfordert sah, griff der damalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu einem Trick: 70 000 Flüchtlinge bekamen befristete, für den gesamten Schengen-Raum gültige Visa und wurden gedrängt, auf eigenes Glück in ein anderes Land weiterzureisen. Mehrere tausend davon, schätzen Menschenrechtler, sind bereits gestorben. Ein paar hundert haben es nach Berlin geschafft” (Berliner Tagesspiegel vom 04.10.2013). Am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg demonstrieren sie für die Abschaffung der Residenzpflicht von Asylbewerbern, sich während ihrer Verfahren nur an behördlich festgelegten Orten aufzuhalten.

Gewohnte Fassaden stören das Bild

Migranten kennen wir aus der Zeitung und aus dem Fernsehen. Ab und zu sehen wir im Straßenbild Menschen, die welche sein könnten. Mehr wissen wir nicht. Diese gewohnte Fassade wird jetzt gestört, wir sehen überlebensgroße Bilder geflüchteter Männer, Frauen und Kinder.

facades3In Videos erzählen sie uns ihre Geschichten. Die Kunst des Berliner Fotografen Harald Geil liegt darin, unsere Aufmerksamkeit zu wecken: “Überlebensgroße Fotografien werden auf Gebäude tapeziert. Auf jedem Bild führt ein QR-Code zu einem Videointerview der abgebildeten Person, einige Flüchtlinge interviewen sich gegenseitig. Familiar Facades ist ein multimediales Angebot, sich alternativ zu dem medialen Mainstream zu Migration und der Flüchtlingsbewegung zu informieren, auszutauschen und ins Gespräch zu kommen. Jeder Mensch kann zu einem Flüchtling werden. Dies ist die grundsätzliche Botschaft und man muss kein Experte sein, um mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und sozialen Kontexten ins Gespräch zu kommen”, erklärt er auf Startnext.

facades0Harald Geil braucht Unterstützung, um einen möglichst hohen Sockelbetrag zu sammeln, der von einer Förderstiftung vervielfacht werden kann. Bis jetzt haben 97 Unterstützer mehr als € 4.000 gegeben. Um dieses multimediale Projekt öffentlichkeitswirksam zu gestalten, sind mindestens weitere € 1.000 nötig. Je mehr Geld zusammen kommt, umso mehr kann das Team um Harald Geil erreichen. Zur Belohnung der Unterstützer gibt es beispielsweise für € 25 von Photocircle einen Medium Fine-Art Print eines Protagonisten. Für € 40 ist es ein Großformat, verbunden mit einer Einladung zur Vernissage. Wer ganz tief in die Tasche greifen kann und € 1.000 überweist, bekommt ein Oversize Bild und ist offizieller Sponsor dieser Aktion.

“Kein Mensch ist illegal” heißt es auf einem Plakat, das Aktivisten am Berliner Oranienplatz aufgehängt haben als sie gegen die Räumung des Flüchtlingscamps demonstrierten. Familiar Facades will unser Interesse für demokratische Teilhabe wecken und den betroffenen Flüchtlingen Gesicht und Stimme geben. Wer das Projekt unterstützen möchte, findet Familiar Facades auf Startnext .

Projekt-Initiator und Künstler Harald Geil im Gespräch mit ununi.tv. Eine Zusammenfassung des Inhalts liefert Wolfgang Gumpelmaier in seinem Blog.

 

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