Crowdfunding: “Mehr Wissenschaft wagen”

Sascha Foerster über sein Crowdfunding für Deutsche Nachkriegskinder

Bundesarchiv, Bild 183-2003-0703-500 / CC-BY-SA

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 03.03.2014 – ScienceStarter Sascha Foerster berichtet über seine Erfahrungen beim Crowdfunding. Mit seinem Projekt “Auf der Suche nach den Nachkriegskindern” will er etwa 4.000 Kriegs- und Nachkriegskinder finden, die 1952 – 1961 an einer Studie teilnahmen: “Im Institut für Psychologie wurden vor wenigen Jahren über 30 Umzugskartons mit Akten der “Deutschen Nachkriegskinder”-Studie wiedergefunden. Die Akten dokumentieren detailliert eine Vielzahl von medizinischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, die jährlich während 10 Jahren an über 4000 Kindern aus sechs deutschen Städten durchgeführt wurden (Bonn, Frankfurt am Main, Grevenbroich, Remscheid, Nürnberg, Stuttgart). Die Kinder stammten aus zwei Kohorten, nämlich Kriegskinder (geb. 1938-1939) und Nachkriegskinder (geb. 1945-1946). Dieser Datenschatz könnte es ermöglichen eine interdisziplinäre Studie der Entwicklung über die gesamte Lebensspanne zu beginnen”. Sascha Foerster:

“Beim Crowd­fun­ding für die Suche nach den Nach­kriegs­kin­dern haben etwa 100 Men­schen im Schnitt 100€ für ein Pro­jekt gege­ben, von dem sie kei­nen direk­ten Vor­teil, kein Pro­dukt, kein direk­tes Ergeb­nis erhal­ten, wie das sonst bei Crowd­fun­ding für Pro­dukte oder Medien üblich ist. Alles was ich anbie­ten konnte, waren sym­bo­li­sche Dan­ke­schöns wie Namens­nen­nun­gen, Gesprä­che oder ein Buch, und das Ver­spre­chen, dass ich ein Jahr am Pro­jekt arbei­ten werde, damit die Suche nach den Nach­kriegs­kin­dern wei­ter­ge­hen und ein Pro­jek­tan­trag an der Uni­ver­si­tät vor­be­rei­tet wer­den kann.

Kommunikation

Zen­tra­ler Dreh– und Angel­punkt der Kom­mu­ni­ka­tion war neben der Pro­jekt­seite bei Sci­ence­Star­ter der Blog bei de.hypotheses. Dort erschie­nen erste Arti­kel zum Thema Crowd­fun­ding, Aus­schnitte aus der Diplom­ar­beit und Hin­ter­gründe zur Nach­kriegs­kin­der­stu­die. Ein wei­te­res wich­ti­ges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel war das Ver­sen­den von per­sön­li­chen Emails.Dazu habe ich mein Adress­buch noch mal auf den neu­es­ten Stand gebracht und sor­tiert, so dass ich ein­zelne Ziel­grup­pen mit etwa 20–30 Adres­sa­ten anschrei­ben konnte. Teils habe ich auch ver­sucht jedem ein­zel­nen Kon­takt eine per­sön­li­che Email zu sen­den, doch das stellte sich als zu zeit­auf­wän­dig her­aus. Also blieb ich bei der Stra­te­gie, die ich in der Start­phase genutzt habe, näm­lich eine für Ziel­grup­pen ange­passt Anspra­che zu wäh­len und eine all­ge­mein gül­tige Erklä­rung mit Anlei­tun­gen zum Unter­stüt­zen in der Signa­tur der Email bei­zu­fü­gen, stets mir der Bitte auch die eige­nen Kreise zu infor­mie­ren und die Email wei­ter­zu­lei­ten.

Vom Nutzen der Plattform

Anfang Januar bekam ich noch­mal zusätz­li­che Unter­stüt­zung durch die Crowdfunding-Plattform Sciencestarter.de, die mich auf ihrer Start­seite als „Sci­ence­star­ter der Woche“ vor­ge­stellt hat. Beim Durch­schauen der ande­ren Pro­jekte (es gab 5 wei­tere, die gleich­zei­tig aktiv waren) fiel mir auf, dass alle ande­ren bereits ihre Ziel­summe vor Ende der Lauf­zeit erreicht hat­ten. Bei genaue­rer Ana­lyse ihrer Unter­stüt­zer fiel mir auf, dass es eine Per­son gab, die meh­rere tau­send Euro in die Pro­jekte gesteckt haben muss. Es gab also Großunterstützer, die alleine meh­rere Pro­jekte stem­men kön­nen. Ich bin bis heute ver­wun­dert, warum die­ser Groß­spen­der alle ande­ren Pro­jekte unter­stützt hatte, die Nachkriegskinder-Suche aber nicht.

Schwierige Suche nach Co-Finanzierung

Also kann ich kurz zusam­men­fas­sen, Crowd­fun­ding passt noch nicht in die Pro­gramme der Stif­tun­gen rein und Ver­wal­tun­gen wis­sen oft noch nicht mal, worum es dabei geht und wie es funk­tio­niert. Weil Crowd­fun­ding auf Ver­trauen basiert, wer­den zuerst Freunde und Bekannte unter­stüt­zen und erst danach kann man ver­su­chen auch eine brei­tere „Crowd“ zu errei­chen. Einer­seits wäre es sehr naiv zu glau­ben, dass man ohne die Unter­stüt­zung von Fami­lie, Freun­den und Bekann­ten weit kommt, ande­rer­seits ist es naiv an den Erfolg zu glau­ben, wenn man diese Kreise nicht über­schrei­ten kann. Eine grö­ßere Menge von Men­schen erreicht man aber nicht nur über die sozia­len Medien, son­dern vor allem über die klas­si­schen Medien. Crowd­fun­ding zieht sehr stark Res­sour­cen aus dem enge­ren Kreis ab, daher kann auch nicht jedes Jahr ein neues Crowd­fun­ding auf­bauen, wenn man nicht sehr viele neue erreicht. Über­haupt muss man sehr stark ver­netzt und offen sein, um beim Crowd­fun­ding eine Chance zu haben.

Fazit

Dank des Crowd­fun­dings habe ich jetzt nicht nur das Thema kom­mu­ni­ziert, ein Netz­werk auf­ge­baut und die Öffent­lich­keit erreicht, son­dern, dank der Unter­stüt­zer kann ich nun auch ein Jahr lang wirk­lich frei for­schen, pro­gram­mie­ren und arbei­ten, ohne finan­zi­elle Sor­gen zu haben. Diese Frei­heit, die mir durch das Ver­trauen (und nicht zu ver­ges­sen das Geld) von Vie­len ermög­licht wurde, möchte ich mit Trans­pa­renz und Offen­heit bezüg­lich mei­nes Tuns und der Ergeb­nisse beantworten.”

Quelle: Sascha Foerster, weblogSF, Wissenschafts-Crowdfunding für die „Deutsche Nachkriegskinder“-Studie. Mehr Wissenschaft wagen!, CC-BY 4.0

 

 

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