Forbes versteht Deutschlands Crowdinvesting nicht

Forbes: Germany's Power Of Innovation Turn To Crowdfunding

Alison Coleman

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 12.03.2014 – Ein gut gemeinter Artikel wie aus einer PR-Broschüre: Alison Coleman mag Unternehmer und schreibt gerne über disruptive Innovationen. “Germany’s Powers Of Innovation Turn To Crowdfunding”, springt dem Leser des Onlinedienstes von Forbes ins Auge. Diese Überschrift ist nicht nur maßlos übertrieben, sondern schlicht und ergreifend falsch. Es sei Alison Coleman verziehen, dass sie weder unsere Wirtschaftsstruktur kennt, noch eine realistische Vorstellung davon hat, wie die Innovationskraft einer Volkswirtschaft gemessen wird. Innovationen haben zwei Indikatoren: Anzahl der Patente und Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze. Patentinhaber sucht man im Crowdinvesting mit der Lupe und die Anzahl der durch Crowdfunding neu geschaffenen Arbeitsplätze ist sehr niedrig. Crowdfinanzierte Startups haben selten mehr als 10 Mitarbeiter. Innovationen lösen gesellschaftliche und globale Herausforderungen in den Bereichen Klima und Energie, Rohstoffe, Mobilität, Gesundheit, Sicherheit und Kommunikation. Die dafür nötigen Finanzierungsmittel kommen aus der öffentlichen Projektförderung sowie aus der Beteiligungs- und Wagniskapitalbranche. Außerdem wird über Steuererleichterungen nachgedacht, beispielsweise durch Beendigung der Substanzbesteuerung.

Die meisten Innovationen entfallen auf die Klassen Fahrzeuge, Maschinen, elektrische Bauteile, Messen und Prüfen, Medizin und Hygiene. Also auf den B2B-Sektor, für den es überhaupt keine Crowdinvesting-Anbieter gibt. Deutschlands führende Crowdinvesting-Plattformen vermitteln Finanzierungen für Geschäftsmodelle, deren Zielgruppen Konsumenten sind. Viele dieser Konzepte sind internetbasiert oder digital. Für deren Geschäftsmodelle können, anders als bei Technologieprodukten, meistens keine Schutzrechte erlangt werden, die eine exklusive wirtschaftliche Verwertung ermöglichen würden und bei Eigenkapitalgebern als immaterielle Vermögenswerte akzeptiert wären:

Seedmatch

Ovularing: Biosensor zur Bestimmung fruchtbarer Tage.

Goodz: Shopping-Adresse für einen bewussten Lifestyle.

Paymey: Bezahlen mit dem Smartphone.

Allbranded: Werbeartikel 2.0

Geile Weine: Webshop für Weine.

Fraisr: Software für Onlineshops.

Mycleaner: Onlinebuchung für mobile Fahrzeugreinigung.

Crowdinvesting schafft weder Eigenkapital noch Gesellschafterrechte

Alison Coleman schreibt: “It was early platforms like Seedmatch and Innovestment that were the catalysts for equity-based crowdfunding activity”. Das ist falsch. Auf unseren Plattformen können keine Anteile am Stammkapital von GmbHs und auch keine Kommanditanteile an KGs gekauft werden. In den meisten Fällen vergeben Crowdinvestoren partiarische Nachrangdarlehen. Das ist Fremdkapital, weil diese Darlehen rückzahlbar und verzinslich sind. Allerdings enthalten die Darlehensverträge auch eigenkapitalähnliche Elemente: dem Darlehensgeber werden Zinsen versprochen, deren Höhe sich nach dem Gewinn des Unternehmens und nach einem Exiterlös der Gesellschafter richten. Diese Zusicherungen sind Vertragsvereinbarungen, die im Zweifelsfall gerichtlich durchgesetzt werden müssen. Eine notarielle Absicherung, wie es sie beim Verkauf von Geschäftsanteilen gibt, haben partiarische Nachrangdarlehen nicht. Das Unternehmen, das diese Darlehen empfängt, darf sie in seiner Bilanz nicht als Haftkapital ausweisen, weil die Gelder rückzahlbar sind. Betriebswirtschaftlich gesehen schaffen Nachrangdarlehen Liquidität und erhöhen den Verschuldungsspielraum des Unternehmens , weil die Forderungen der Crowdinvestoren erst dann befriedigt werden müssen, wenn alle anderen Schulden des Unternehmens beglichen worden sind (Nachrang).

Was zu erwähnen gewesen wäre

Alison Coleman betrachtet zwar Crowdinvesting als Marketinginstrument, wenn sie den Companisto-Gründer Rhotert zitiert: “Crowd investing is about more than financing; it is also a very strong marketing tool. When you put your business on a platform, you are presented to many thousands of people. It gives you a huge reach.” In ihrer Analyse bleibt sie damit jedoch auf halbem Wege stecken. Das wirklich Nützliche am Crowdinvesting auf Companisto oder auf Seedmatch sind die Kommentarfunktionen, die für einen sehr lebhaften Dialog zwischen Crowdinvestoren und Startup sorgen. Auf diesem Wege erhalten die Jungunternehmer eine Vielzahl von praktischen und konstruktiven Vorschlägen zur Verbesserung ihrer Geschäftsmodelle. Ein besserer Test am potenziellen Kunden ist kaum denkbar. Crowdinvesting ist wie ein Proof-of-Concept. Unter normalen Bedingungen kann dadurch das Risiko des Scheiterns erheblich gemindert werden.

Innovestment bietet keine partiarischen Nachrangdarlehen, sondern atypisch stille Beteiligungen an. Die Rechte des stillen Gesellschafters gehen über die eines Kreditgebers hinaus, sie entsprechen dem Typ eines Mitunternehmers. Er ist im Innenverhältnis so zu behandeln, als ob er Kommanditist wäre. Steuerlich bezieht der stille Gesellschafter Einkünfte aus Gewerbebetrieb, während der Darlehensgeber Einkünfte aus Kapitalvermögen hat. Dem atypisch stillen Gesellschafter wird auf schuldrechtlichem Wege eine echte Wertbeteiligung am Vermögen des Unternehmens begründet.

In Deutschland ist Bergfürst die einzige Plattform, die Crowdinvestoren zu echten Gesellschaftern macht. Bergfürst ist ein Handelsplatz für Eigenkapital: “BERGFÜRST ist die elektronische Handelsplattform, auf der der Investor ab einem Betrag von 250,00 € Aktien junger Unternehmen im Rahmen der Neuemission erwirbt und diese im Anschluss im Rahmen von Angebot und Nachfrage handeln kann.” Das erste IPO war Urbanara, eine Online-Marke für qualitativ hochwertige Heimtextilien und Wohnaccessoires. Aktueller Aktienkurs: € 10,38. Seit Ausgabe: + 3,8 Prozent.

Fazit

Crowdinvesting steckt in jeder Beziehung noch in den Kinderschuhen. Es gibt viel zu tun. Die Stichwörter sind: Öffentlichkeitsarbeit zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades. Crowdinvesting für B2B-Geschäftsmodelle. Konzepte zur Begleitung junger Unternehmen nach Beendigung des Crowdinvesting. Investorenschutz.

Germany’s Power Of Innovation Turn To Crowdfunding

Innovestment

Bergfürst

 

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One Response to Forbes versteht Deutschlands Crowdinvesting nicht

  1. 13/03/2014 at 00:00

    Crowdinvesting läuft sogut wie ausschließlich online. Interessant wären Crowdinvestingprojekte für vorort, z.B. https://www.leihdeinerstadtgeld.de/, die man in der virtuellen als auch realen Welt kennenlernen, und bei Gefallen mitmachen, kann.

    Eine App für Crowdfunding- bzw. Crowdinvestingprojekte wäre auch eine tolle Sache. :-)

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