Crowdfunding durch Genossenschaften?

Genossenschaften zur Finanzierung öffentlicher ProjekteCrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 17.03.2014 – Können die Einwohner einer Stadt oder einer Gemeinde für die Mitfinanzierung von selbst genutzter Infrastruktur gewonnen werden? In den vergangenen Jahren hat die schwierige Haushaltslage vieler Kommunen verstärkt zur Nutzung von Know-how und Kapital privater Partner geführt. Dabei wird nicht das Eigentum an der Infrastruktur privatisiert, sondern nur der Betrieb eines Bauwerks auf ein privates Unternehmen übertragen: Flughäfen, Altenheime, Krankenhäuser, Schulen, Klärwerke, Energienetze und so weiter. Eine Public Private Partnership (PPP) wird definiert als langfristige, vertraglich geregelte, Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft zur effizienten Erfüllung öffentlicher Aufgaben. Bei den Banken ist die Finanzierung von PPP-Projekten wegen des geringen Risikos ein beliebtes Geschäftsfeld.

Das Public Private Partnership – Modell

Sowohl die privaten Partner als auch die finanzierenden Banken sind zumeist international tätige Konzerne, die in vielerlei Hinsicht weit von der betroffenen Kommune entfernt sind. Die Kardinalfrage lautet: Dienen PPP-Modelle eher der öffentlichen Hand oder den privaten Investoren? Diese Frage zielt auf die Gewinnerzielungsabsicht privater Unternehmen ab, die zulasten der Nutzer PPP-finanzierter Einrichtungen geht. Die Initiative Gemeingut in BürgerInnenhand kommentierte einen entsprechenden Beschluss während der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD: “Das ist ein großer Erfolg für die BürgerInneninitiativen, die sich seit Jahren gegen Privatisierungen einsetzen. Nach den neuesten Forsa-Umfragen wollen 79 Prozent der BürgerInnen im Land keine weiteren Privatisierungen oder wünschen sich Rekommunalisierungen. Die Stimme der Mehrheit wurde endlich gehört, Privatisierung und ihre moderne Form Public Private Partnership/Öffentlich-private Partnerschaften werden endlich gestoppt. Die Privatisierungen der letzten Jahre zeigen, dass die Versorgung nicht sicherer wurde, die Preise nicht gesunken sind und die Qualität nicht gestiegen ist. Außerdem ist die Verschuldung der öffentlichen Haushalte damit nur kurzfristig aufgehalten worden und schnellte in der Regel bald wieder in die Höhe. Sogar Frankreich, ein Land mit einer langen Tradition der Wasserprivatisierung, kehrt dem Public Private Partnership-Modell allmählich den Rücken. Dass Union und SPD das jetzt auch tun, ist zu begrüßen.”

Finanzierungsalternativen

Welche Finanzierungsalternativen gibt es? Das Mainzer Portal LeihDeinerStadtGeld ermöglicht Kommunen, bei ihren Bürgern Kredite aufzunehmen. “Die Kommune erhält ein zeitlich beschränktes Darlehen, das zinsgünstiger ist als Kommunalkredite von Geschäftsbanken. Zudem werden die Bürger für wichtige gemeinschaftliche Projekte, wie Kindergärten oder Schulen, sensibilisiert. So wird Ihr Interesse, die Kommune aktiv zu unterstützen, gezielt gesteigert. Der Bürger und Kreditgeber profitiert andererseits von attraktiven Zinsen als auch von den Nutzungsmöglichkeiten der umgesetzten Projekte (z.B. Kindergärten, Schulen, Gemeindezentren) und leistet somit weit mehr als eine konventionelle Bank leisten kann. Und das Beste: Der Bürger weiß die ganze Zeit über, wofür sein Geld genutzt wird. So sieht eine moderne Umsetzung von Bürgerpartizipation aus”, sagen die Initiatoren. Das Interesse ist allerdings sehr verhalten. Aktuelle Bürgerkreditprojekte gibt es nicht, die letzte Finanzierung stammt aus dem Jahre 2012: € 83.200 wurden aufgebracht, um Investitionen der Freiwilligen Feuerwehr Oestrich-Winkel zu ermöglichen.

Die Vorteile von Genossenschaften

Würde die Organisationsform der eingetragenen Genossenschaft besser funktionieren, um Bürger zu beteiligen? Diese Rechtsform ist sehr bekannt und hat sich insbesondere in der Landwirtschaft bestens bewährt. In Genossenschaften wird Wissen geteilt, Zusammenarbeit gefördert sowie durch Kooperation Marktchancen verbessert. Ein weiterer Aspekt: Mitglieder von Genossenschaften haben maximal 3 Stimmen. Somit erwerben kapitalstarke Investoren kein höheres Stimmrecht als kapitalschwache. Genossenschaften sind nicht kapitalgebunden, sondern personengebunden.

Anfang 2013 berichtete Startnext: “Fairnopoly ist als erstes Crowdinvesting-Projekt auf Startnext gestartet und hat es geschafft rund 210.000€ (419% überfinanziert!) von 857 Genossen einzusammeln. Die Gründer des neuen Marktplatzes Fairnopoly haben sich für das altbewährte Modell der Genossenschaft entschieden, weil bei dem geplanten Internetportal vor allem fairer Handel stattfindet und das Unternehmen nicht von Großinvestoren, sondern von den Genossinnen und Genossen gesteuert werden soll”. Dem Ende des Crowdfunding folgte jedoch recht schnell die Ernüchterung. Ende 2013 musste der Online-Marktplatz für faire Produkte fast allen Mitarbeitern kündigen, um eine Insolvenz abzuwenden. Eine zweite Crowdfunding-Kampagne hat nochmal € 146.000 in die Kasse gebracht. Wie lange es weitergeht, ist unsicher.

Das Portal Crowdener.gy verbindet Crowdfunding mit Energiegenossenschaften. Der Betreiber über die Vorteile seines Modells: “CrowdEner.gy bietet als erstes Unternehmen in Deutschland Crowdfunding von Erneuerbare Energien-Projekten an. Beides ergänzt sich hervorragend: So können Sie als Investor in der Energiegenossenschaft gut nachvollziehen und mit entscheiden, wie Ihr Geld investiert wird. Sie können sich unabhängig von Ihrem Wohnort an den Projekten und Technologien beteiligen, die Sie nach den Kriterien Rendite, Laufzeit und Risiko am attraktivsten finden. Als Projektinitiator betrifft Sie keine Beschränkung des Fundingvolumens und keine Prospektpflicht.” Vier Projekte konnten erfolgreich finanziert werden, aktuell läuft die Kampagne “Solarlichter für Tansania”.

Startnext ist in Sachen Genossenschaften hartnäckig. Auf Fairnopoly folgt die brabbl eG. Das Mitbestimmungs-Tool der Zukunft hat 58 Supporter, die bis heute €15.650 zugesagt haben. 25 Tage läuft das Funding noch. Was liegt näher als die Kommentare zur Crowdfunding-Aktion als brabbl-Diskussion abzubilden: “Teilnahme an einer Diskussion bedeutet nicht immer aktive Teilnahme als Autor. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer von Blogs und Foren sind nicht Autoren sondern Leser. Diese sind auf der Suche nach guten und richtigen Informationen. Und genau diese liefert brabbl schnell und übersichtlich. Genau das ist der große Vorteil von brabbl!”

Die aktuellen Richtlinien für Starter lassen vermuten, dass Startnext mehr vorhat: “Für Sozialunternehmen, Genossenschaften und Startups aus der Kreativwirtschaft bietet Startnext die Möglichkeit Crowdinvesting einzusetzen.” Vielleicht auch bald für kommunale Projekte!

LeihDeinerStadtGeld

CrowdEner.gy – Projekte

 

 

 

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