Arbeiterkammern fehlt für Crowdfunding das Verständnis!

Arbeiterkammern fehlt für Crowdfunding das VerständnisCrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 23.03.2014 - “Es fehlen einheitliche Standards für die prägnante Risikodarstellung, die Darstellung von Kosten und Veranlagungsprodukten, die Angabe von Rücktrittsrechten und Kündigungsmodalitäten. Auch ist es nicht selbstverständlich, Geschäftsbedingungen oder Impressen samt Gewerbeberechtigungen vorzufinden. In vielen Fällen tragen die Projektnutznießer die Kosten, aber nicht nur: AnlegerInnen haben bisweilen hohe Transaktions- oder Zahlungsverkehrsgebühren zu zahlen”. Zu diesen Schlussfolgerungen kommen die Arbeiterkammern Österreichs nach einer Analyse von 18 Crowdfunding-Plattformen aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und der Schweiz.

Falls die Analyse der Arbeiterkammern dem Anlegerschutz dienen soll, ging der Schuss voll daneben. Die 18 betrachteten Plattformen umfassen aus Österreich Respect.net, IP Inject-Power und Querk:

  • Ein sozial engagierter Lehrer der Landwirtschaftlichen Fachschule in Tulln unterrichtet das Fach “Erneuerbare Energien”. Dieser Lehrer schreibt auf respekt.net: “Auch, kenn ich einen nigerianischen Pfarrer seit ca. zwanzig Jahren. Den Sabinus. Als ich ihn kennengelernt habe, war er noch im Priesterseminar in St. Pölten. Ich sprach ihm am Bahnhof an, fragte ihn, ob er Englisch spräche und dies unseren kleinen Tochter ein bisschen lernen könnte. Inzwischen ist er Doktor und Pfarrer in Pottenbrunn bei St. Pölten. Er baute in seinem Heimatland eine Schule. Eine Grundschule und ein Gymnasium. Auch, damit seine Landsleute nicht vor Hoffnungslosigkeit vor der Insel Lampedusa ertrinken müssen. Er baute also die Schule.” Und genau diese Schule wird von der Fachschule in Tulln unterstützt, mit dem auf Respekt.net laufenden Projekt “Africhill”. Wer mag, spendet Geld, spendet sein Wissen oder spendet seine Zeit. Wie bei allen Projekten auf Respekt.net geht es um zivilgesellschaftliches Engagement, um Bildung, Demokratie und sozialstaatliche Strukturen zu fördern.
  • Auf IP Inject-Power werden wissenschaftliche Forschungsprojekte vorgestellt, die erst dadurch ermöglicht werden, dass Bürger einen kleinen Betrag spenden. Kommt genug zusammen, haben die Wissenschaftler eine materielle Basis für ihre Arbeit.
  • QUERK bezeichnet sich selbst als ein Ideenfinanzierungsportal. Eine dieser Ideen besteht darin, für das 2. Halbjahr 2013 eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen, als Herzstück einer Gemeinwohl-Ökonomie. Das Anliegen wird ausführlich erklärt. Wer dafür beispielsweise € 5 gibt, erhält als kleines Dankeschön einen Gemeinwohl-Zollstock, denn “jede Bilanz beginnt mit Messungen”.

Im Grunde geht es auf allen drei Plattformen darum, am Gemeinwohl interessierten Menschen die Möglichkeit zu geben, etwas für den guten Zweck zu spenden. Dabei geht es um ethisch-moralische Maßstäbe, um einen Blick über den Rand unseres gut gefüllten Tellers und um Emotionen angesichts von Ungleichheit und Ungerechtigkeit. In diesem Zusammenhang schreiben die Arbeiterkammern Österreichs “Die AnlegerInnen brauchen klare Informationen auf den Homepages der Crowdfunding-Anbieter sowie mehr Sicherheit und Schutz. Wir fordern daher: …” Welche AnlegerInnen meint der Autor dieses Artikels? Auf Respekt.net, IP Inject-Power und QUERK gibt es keine Anlageprodukte. Den Menschen, die ihre Freizeit und ihr Geld opfern, um auf den genannten drei Plattformen etwas Gutes zu bewirken, erweist die Veröffentlichung auf AK.portal einen gewaltigen Bärendienst.

Falls der Leser dieses völlig missratenen Artikels hervorragend über Crowdfunding informiert sein sollte – damit würde er zu einer absoluten Minderheit in der Bevölkerung gehören – könnte er über diesen Bärendienst hinwegsehen und die vom Autor aufgestellten “Forderungen” wohlwollend auf die allgemein als Crowdinvesting bezeichneten Plattformen beziehen, in Österreich also Greenrocket, Conda und 1000×1000.at. Aber dem informierten Spezialisten unter den Lesern – und wie gesagt, wer ist das schon – wird es ungemein schwer gemacht, dieses Wohlwollen aufzubringen. Die Arbeiterkammern fordern

  • Impressumpflichten und klare Geschäftsbedingungen. Wie nicht anders zu erwarten war, erfüllen alle drei Crowdinvesting-Plattformen die gesetzlichen Anforderungen.
Startseite von Green Rocket

Startseite von Green Rocket

Startseite von Conda, berechtigte Kritik: die AGB fehlen

Startseite von Conda, berechtigte Kritik: die AGB fehlen

FAQ-Seite von 1000x1000.at

FAQ-Seite von 1000×1000.at

Weitere Forderungen der Arbeiterkammern:

  • Verpflichtende und deutliche Risikohinweise
Risikohinweis von Green Rocket

Risikohinweis von Green Rocket

Risikohinweis von Conda

Risikohinweis von Conda

Risikohinweis von 1000x1000.at

Risikohinweis von 1000×1000.at

 

  • Prospektrecht nicht durchlöchern

Von § 3 KMG ausgenommen ist ein Angebot von Wertpapieren oder Veranlagungen über einen Gesamtgegenwert in der Union von weniger als € 250.000 , wobei diese Obergrenze über einen Zeitraum von zwölf Monaten zu berechnen ist. Alle Angebote der in Österreich aktiven Crowdinvesting-Plattformen erfüllen diese Bedingung, um von der Prospektpflicht nach dem Gesetz ausgenommen zu werden. Es kann somit keine Rede von einer Durchlöcherung der Prospektpflicht sein. Man achte auf den Sprachgebrauch des Autors: er spricht nicht von Ausnahmen – wie es das Gesetz tut – sondern suggestiv von Löchern!

Fazit

Das, was auf dem AK.portal geschrieben wurde, ist derart missverständlich, undifferenziert und teilweise auch falsch, dass es nicht geeignet ist, die Öffentlichkeit über den sozialen, politischen und sozio-ökonomischen Nutzen des Crowdfunding auch nur in Ansätzen zu informieren. Statt dessen setzt der Autor zu einem Rundumschlag an, der bei den Lesern zwei Wirkungstreffer erzielt: Enttäuschung der sozial Engagierten und Desinformation derjenigen Leser, die zum ersten Mal von Crowdfunding gehört haben.

Ausgerechnet die neue Investing-Plattform CrowdCapital.at hat der Autor dieses unsäglichen Artikels nicht genannt. Möglicherweise, weil dort die in der Branche selbstverständlichen Standards, wie treuhänderische Verwaltung von Investorengeldern und eine gewissenhafte Prüfung kapitalsuchender Unternehmen besonders stark herausgestrichen werden. Das hätte nicht in das negative Bild gepasst, das der Autor vom Crowdfunding zeichnet. Oder er hat schlicht nicht gewusst, dass es CrowdCapital gibt.

Wer im Crowdinvesting aktiv ist, tut dies mit Herzblut. Die Freude, an besonderen Projekten teilzuhaben, das schöne Gefühl des Mitfieberns mit den Gründern, sein eigenes Wissen und seine eigene Zeit schenken, jungen Menschen als Unternehmern auf die Beine helfen, Innovationen fördern, Altruismus und Mäzenatentum. All das und einiges mehr sind die Triebfedern. Wer € 100 oder € 1.000 gibt – je nach persönlichem Vermögen – will nicht reich werden, sondern irgendwann in glückliche Gesichter schauen.

Wer im Crowdinvesting eine neue Anlageklasse sieht, muss geschützt werden. Das ist überhaupt keine Frage. Zum besseren Verständnis sei folgendes gesagt: Crowdinvesting fördert Investitionen, die man als “modern” bezeichnen könnte. Modern deshalb, weil sie außerhalb der traditionellen Sektoren Automobilzulieferer, Maschinenbau, elektronische Bauteile, Medizintechnik und Pharmazie liegen. Die “modernen” Startups haben völlig neue Ideen. in diesem Sektor liegt der Schutz von Kleinanlegern in einem Spannungsfeld aus unbürokratischem Zugang zu Finanzierungsmitteln und dem Ermöglichen gänzlich neuer Strukturen des Wirtschaftens. Das ist so etwas wie ein magisches Dreieck, in welchem stets nur zwei Bedingungen erfüllt werden können. Deshalb sind intelligente Lösungen gefragt, die nicht mal eben so aus dem Ärmel zu schütteln sind!

AK.portal

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