Awra Amba: Die Weber, in Äthiopien

Ennanye. Quelle: Awra Amba. Mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

Ennanye. Quelle: Awra Amba. Mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 05.05.2014 – “Der Bauer sitzt auf dem Boden mit einem Bier, gebraut in einer alten Tonne, ausgeschenkt in einer alten Tomatendose, er sagt: In dem Dorf leben sie wie Tiere. Sie glauben weder an Jesus noch an Allah.” Mit diesem Zitat beginnt DER SPIEGEL (9/2011) eine Reportage über  ein Dorf in Äthiopien. Christen und Muslime haben sich von ihrer religiösen Demut befreit, es herrscht Friede.

Jeder Wandel ist schmerzhaft. Besonders dann, wenn die traditionelle Rolle der Frau angetastet wird. Die kleine Dorfgemeinschaft in Äthiopien hat auch diesen Schritt gewagt. Wie Haussklaven gehaltene Frauen, viele von ihnen waren auch häuslicher Gewalt hilflos ausgeliefert, wurden aus ihrem traditionellen Dasein befreit. Ein junger und ungebildeter Farmer, Zumra Nuru, wollte einen Ort, an welchem Männer und Frauen alle Entscheidungen gemeinsam treffen, ob zu Hause oder im Gemeinwesen. Ein Ort, an dem es normal sein würde, hart zu arbeiten und die Früchte dieser Arbeit auch mit denen zu teilen, die Hilfe nötig haben. Heutzutage bezeichnet man so etwas als Share Economy. Zumra Nuru fand in seiner unmittelbaren Umgebung 19 Gleichgesinnte, die es mit den alten Traditionen aufnehmen wollten. Sie gründeten ein eigenes Dorf: Awra Amba.  In den Augen der Dorfbewohner sind alle Menschen gleich, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Männer und Frauen arbeiten, entscheiden und leben friedlich Seite an Seite. 42 Jahre ist das jetzt schon her.

Quelle: Awra Amba. Mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

Quelle: Awra Amba. Mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

 

Die junge Dorfgemeinschaft wurde wegen ihrer Revolution aus dem sozialen Leben der Region ausgeschlossen. Das wirkte sich unmittelbar auf ihre Lebenssituation aus, sie mussten sich neue Einnahmequellen suchen, um überleben zu können. So wurden sie zu Webern. In Gerhard Hauptmanns Drama “Die Weber” ging die Gewalt von den ausgebeuteten Webern aus. In Awra Amba war es das Establishment, das für eine Eskalation sorgte, es waren die Nachbardörfer und staatliche Stellen. Das Dorf wurde angegriffen, seine Einwohner als geisteskrank gebrandmarkt und Zumra Nuru wurde ins Gefängnis geworfen. 

Awra Amba wird 2001 entdeckt

Die Medien wurden erst 30 Jahre später auf diese afrikanische Bürgerinitiative aufmerksam. Die ersten Regierungsvertreter kamen offiziell zu Besuch. In den ersten Jahrzehnten war die junge Dorfgemeinschaft völlig auf sich gestellt. Inzwischen stehen sie mit der ganzen Welt in Kontakt. In ihrem Gemeinschaftsraum ist nicht nur ein Telefon, sondern ganz selbstverständlich auch ein Computer mit Internetzugang. “Die Welt versteht, was wir hier versuchen”, sagt Zumra Nuru.  Um das Jahr 2000 herum nahm auch die UN Kontakt zu Zumra auf und bot ihre Hilfe an.  Aber Zumra lehnte ab. Die Dorfgemeinschaft will weder Entwicklungshilfe, noch Spenden haben. Zumra sagte: “Es gab Zeiten, da konnten wir nicht einmal eine handvoll Reis miteinander teilen, aber wir haben es trotzdem geschafft!”

Die Awra Amba Erfahrung

Heute,  42 Jahre nach der Gründung, ist das Dorf wohlhabend und hat etwa 500 Einwohner. Männer und Frauen sind gleich. Die Arbeit wird nach Kenntnissen und Fertigkeiten, nicht nach dem Geschlecht, geteilt. Es gibt Kommunalwahlen. Awra Amba ist demokratisch verfasst. Es herrscht Meinungsfreiheit. Alle Kinder gehen zur Schule und die meisten Absolventen beginnen eine universitäre Ausbildung. Alle Einwohner haben Zugang zu medizinischen Leistungen. Familienplanung ist normal. Geheiratet wird erst nach Vollendung des 19. (Frauen) beziehungsweise 20. (Männer) Lebensjahres. Die Weberei ist inzwischen ein nachhaltiges Handwerk und nach wie vor eine bedeutende Lebensgrundlage.

“In the past, misconceptions about who we are and what we are trying to achieve by our neighbouring communities have caused a lot of trouble and danger for our community. Recently, many people have written about us in the media both in and outside of Ethiopia, and sometimes there have been factual errors that have led to further misunderstandings. We want to open up a dialogue with the outside world, to have the chance to talk directly with our audience and to build up an international network. That is why we have been working with Paulina and Serdar on this project for many years, which will not only tell our story but help us connect with the rest of the world.” Zumra Nuru, 2014

Paulina Tervo, Serdar Ferit und ihr Team kennen Awra Amba seit mehr als 10 Jahren. Jetzt dokumentieren sie die Awra Amba Erfahrungen in einem interaktiven Film,  der praktisch wie eine App funktioniert.  Zur Deckung der Produktionskosten wurde ein Crowdfunding gestartet, das noch bis zum 30. Mai läuft. Aus diesem Anlass hat Wolfgang Gumpelmaier eine der Initiatoren, Pati Keilwerth, für Social Film Marketing, interviewt. The Awra Amba Experience ist kein klassischer Dokumentarfilm, denn alle  Inhalte werden im Internet bereitgestellt und fordern zur Interaktion auf. Es ist ein anspruchsvolles cross- bzw. transmediales Projekt. Pati:

“Man kann in 360°-Panoramas das Dorf erkunden und die verschiedenen Dorfbewohner in ihren Hüten besuchen. Dort gibt es Filme zu bestimmten Themen und Interviews mit den Dorfbewohnern sowie weitere Informationen und man kann dazu Kommentare schreiben oder Fragen stellen. Die Fragen leiten wir dann an das Dorf zur Beantwortung weiter. Jedes Thema und jede Hütte ist mit einer Farbe verknüpft. Je mehr zu dem Thema kommentiert und gefragt wird, desto größer wird der Farbbalken. Am Ende hat man einen interaktiv gewebten Schal, der dann auch so im Awra Amba nachgewebt wird und fairtrade vom Dorf direkt verkauft werden kann.  Für die Aktion über 10 Wochen sind wir gerade mit verschiedenen Online-Zeitungen im Gespräch und wir wollen auch eine extra App für Schulen produzieren.”

Zur Finanzierung dieses spannenden Projekts erläutert Pati:

“Wir haben die letzten Jahre alle ohne Bezahlung für das Projekt gearbeitet und alles Geld in die Leihe von Equipment und die Reisen nach Äthiopien und zu Pitches verwendet,  sowie für den Druck von Promotion-Material. Jetzt machen wir eine Crowdfunding-Kampagne, um die App fertigstellen zu können. Man kann also aktuell auf Indiegogo zur Verwirklichung von THE AWRA AMBA EXPERIENCE einen Beitrag leisten und exklusiv das E-Book, das Filmpaket, wunderschöne handgewebte Schals, Decken und vieles mehr aus Awra Amba bekommen.”

Social Film Marketing

Indiegogo: Rethink a beautiful world – The Awra Amba Experience

An Ethiopian Utopia? [Video]

Awra Amba

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