Crowdinvesting scheidet die Geister (Teil 1)

Ist Crowdinvesting fair?CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 08.05.2014 – “Investoren merken jetzt, dass sie bei der Schwarmfinanzierung via Internet kaum Rechte haben” konstatiert die Wirtschaftswoche in ihrem aktuellen Beitrag “Im Schwarm in die Pleite” und berührt damit einen wunden Punkt: Bei Seedmatch stellen die Mikroinvestoren den von ihnen favorisierten Startups sogenannte partiarische Nachrangdarlehen zur Verfügung. Dieses Finanzierungsinstrument ist eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital, wobei die fremdkapitalähnlichen Darlehensbestimmungen überwiegen. Stark vereinfacht ausgedrückt: Der Darlehensgeber erhält eine gewinnabhängige Verzinsung. Im Falle der Insolvenz des Startups werden zuerst alle anderen Gläubiger des Unternehmens befriedigt, in diesem Sinne ist das partiarische Darlehen nachrangig. Im Klartext: Wenn das Startup pleite macht, sieht der Investor höchstwahrscheinlich keinen Cent.  Und: Der Darlehensgeber hat keinerlei Rechte, die ihm als Gesellschafter zustehen würden: Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern, Entscheidung über die Verwendung des Gewinns, Auskunfts- und Einsichtsrechte, Satzungsänderungen und vieles mehr (GmbH).

Wer auf Seedmatch einem Unternehmen Geld gibt, erwirbt keine Beteiligung, also keine Geschäftsanteile. Er hat lediglich die Rechte eines Darlehensgebers. Fairerweise muss man hervorheben, dass Seedmatch keineswegs den Eindruck erweckt, Beteiligungen zu vermitteln. Auf der Webseite ist durchgängig von Investitionen die Rede: “Ihre Chance für frühe Investitionen in Startups”, “Sie können sich näher über diese Startups informieren und direkt online in diese investieren”, “Investieren Sie online” und so weiter. Auf der Startseite für Investoren springt der Kasten “Risikohinweise” förmlich ins Auge. Unter anderem wird man dort aufgefordert, vor jeder Investitionsentscheidung den Investmentvertrag aufmerksam durchzulesen. Nach dieser Lektüre dürfte eindeutig klar sein, welche Rechte man als Investor hat und welche nicht. Dagegen suggeriert Marcus Pfeil in seinem Artikel, die Investoren würden erst bei der Pleite ihres Startups merken, dass sie keine Rechte haben.

Autor Marcus Pfeil zitiert Matthias Wenn von der Hochschule FOM mit den Worten: “Spätestens, wenn die Startups in drei Jahren massive Liquiditätsprobleme bekommen, weil dann die ersten Beteiligungsverträge auslaufen und die Kleinanleger ihr Geld wiedersehen wollen, werde es Probleme geben”. Der von Wenn verwendete  Begriff “Beteiligungsverträge” ist  viel zu spezifisch, um alle gängigen Finanzierungsinstrumente des Crowdinvesting umfassen zu können. Wer ein partiarisches Darlehen vereinbart und diese Form ist wohl am weitesten verbreitet, schließt eben keinen Beteiligungsvertrag ab. Auch von einem “auslaufen” der Verträge kann nicht die Rede sein. Üblicherweise werden die Darlehensverträge mit unbestimmter Laufzeit, also bis auf weiteres, abgeschlossen. Zwar wird dem Darlehensgeber das Recht eingeräumt, nach Ablauf einer bestimmten mehrjährigen Frist, sein Darlehen erstmals zu kündigen, aber dieses Kündigungsrecht kann er nicht “zur Unzeit” ausüben.

Dieses Risiko der Illiquidität des Finanzierungsinstruments steht ebenfalls in den Risikohinweisen: “Jedes Investment, das Sie über die Plattform tätigen, ist langfristig orientiert und deshalb mit einer mehrjährigen Mindestvertragslaufzeit versehen. Es gibt derzeit keinen relevanten sekundären Markt für die auf Seedmatch abgeschlossenen Investmentverträge. Das bedeutet, dass Sie wahrscheinlich einen Investmentvertrag nicht frühzeitig bzw. vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit beenden können, um kurzfristig an das investierte Kapital zu gelangen.” In einem aktuellen Blogbeitrag ergänzt Seedmatch: “Liquiditätsprobleme aufgrund von vertraglichen Zahlungsansprüchen seitens der Investoren sind in der Regel ausgeschlossen. Sowohl das alte Vertragsmodell in Form stiller Beteiligungen als auch die seit November 2012 verwendeten Investmentverträge in Form partiarischer Nachrangdarlehen sind mit einer qualifizierten Nachrangklausel sowie einer Streckungsklausel versehen. Dies verhindert, dass Startups durch Auszahlungsansprüche von Investoren in existenzbedrohende Liquiditätsprobleme geraten. Die vertraglichen Ansprüche der Investoren bleiben natürlich bestehen, wenn diese Ansprüche nicht fristgerecht erfüllt werden können. Diese Regelungen sind nur konsequent und im langfristigen Interesse aller Beteiligten.”

Teil 2 dieses Beitrags wird sich mit der Frage des Anlagerisikos beschäftigen.

Im Schwarm in die Pleite

Wie ein Artikel in der Wirtschaftswoche einem Startup schaden kann

Seedmatch – Auf das Scheitern von Startups klug reagiert

 

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