Crowdinvesting scheidet die Geister (Teil 2)

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 09.05.2014 – “Der Anfangszauber ist verflogen, die Pleiten bei massenhaft von Kleinanlegern finanzierten Startups häufen sich”, schreibt Marcus Pfeil in einem Beitrag für die Wirtschaftswoche. Teil 1 unserer kurzen Serie Crowdinvesting scheidet die Geister geht auf seine erste These ein, wonach Investoren erst im Pleitefall merken, dass “sie bei der Schwarmfinanzierung via Internet kaum Rechte haben”. Seiner Behauptung, im Crowdinvesting würden sich die Pleiten häufen, gehen wir in diesem Teil 2 auf den Grund.

Ausfallquoten

Bei Seedmatch wurden bislang € 13,1 Millionen in 60 Unternehmen investiert. Betandsleep, BluePatent und foodieSquare gingen in die Insolvenz, die Crowd hat  € 0,734 Millionen investiertes Kapital höchstwahrscheinlich verloren. Die Ausfallquote beträgt also 5,6 Prozent. Ebenfalls insolvent sind SporTrade und Zapitano. Beide Startups sind mit € 0,207 Millionen auf Companisto finanziert worden. Auf dieser Plattform sind bis jetzt insgesamt € 5,6 Millionen in 30 junge Unternehmen gesteckt worden. Daraus ergibt sich eine Ausfallquote in Höhe von 3,7 Prozent. Innovestment veröffentlicht folgende Zahlen: € 2,5 Millionen für 28 Unternehmen, keine Ausfälle. Und Fundsters: € 0,731 für 7 Startups und ebenfalls keine Ausfälle. Zwischenfazit: Die größten Crowdinvesting-Plattformen weisen Ausfallquoten zwischen 0 Prozent und 5,6 Prozent auf. Für ein hochriskantes Anlagesegment sind das keine schlechten Zahlen. In welche Richtung sich diese Ausfallraten entwickeln und mit welcher Dynamik, weiß niemand.  Die Wirtschaftswoche zitiert einen einzelnen Investor: “… Und Schreiner sagt, das sei erst der Anfang. Vier seiner sechs Beteiligungen hangelten sich nur noch von Monat zu Monat”. Repräsentativ ist diese Aussage sicher nicht, deshalb darf diese Äußerung auch nicht verallgemeinert werden. Es gibt noch keine zuverlässigen Risikoprognosen. Dafür ist dieses Segment noch viel zu jung. In der gesamten deutschen Wirtschaft liegen die Ausfallraten in der gewerblichen Wirtschaft knapp unter 2 Prozent.

Risikohinweise

Seedmatch stößt potenzielle Investoren förmlich mit der Nase auf die hohe Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes. Auf der Startseite für Investoren klickt man in den Kasten “Risikohinweise” und liest: “Im Allgemeinen sind Startups junge, innovative und noch nicht etablierte Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell. Das Risiko, dass ein Startup scheitert, ist hoch. Denn der langfristige Erfolg eines Startups hängt von einer Vielzahl von Faktoren wie z.B. dem Team, technologischen Entwicklungen, Schutzrechten, gesetzlichen Rahmenbedingungen, Wettbewerbern u.v.m. ab. Wenn Sie in ein Startup investieren, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass Sie Ihr investiertes Kapital verlieren, als dass Sie eine Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen. Investieren Sie also nur soviel Geld, wie Sie bereit sind zu verlieren und Sie verlieren können, ohne Ihren Lebensstandard zu gefährden. Bei jedem Investment ist ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich.”

Bei Companisto findet man den Risikohinweis unter “So funktioniert’s”. Das Portal schreibt kurz und bündig: “Welches Risiko habe ich als Companist (Investor)? Investitionen in Startups bieten große Chancen, sind jedoch Risikoinvestments. Im schlechtesten Fall besteht die Gefahr des Verlustes der gesamten Investition. Eine Nachschusspflicht besteht jedoch nicht.” Dieser Hinweis ist klar und deutlich.

Risikostreuung

Seedmatch hat mit einem sehr ausführlichen Blogbeitrag auf den Artikel der Wirtschaftswoche reagiert. Zum Thema Risikostreuung liest man dort: “Der Aufbau eines Portfolios zur Risikostreuung wird jedem Investor bei Seedmatch direkt auf der Website und in verschiedenen Blogbeiträgen nahegelegt.” Auf der Webseite von Seedmatch steht, ebenfalls in den Risikohinweisen: “Risikostreuung durch Diversifikation: Aufgrund des hohen Risikos sind Startup-Investments nur als Bestandteil eines diversifizierten Portfolios sinnvoll. Investieren Sie lediglich einen kleinen Teil Ihres zur Verfügung stehenden Kapitals in Startups. Und investieren Sie nur, wenn Sie genug Kapital haben, um langfristig in eine Vielzahl von Startups zu investieren und so ihr Risiko zu streuen. Investieren Sie also lieber kleine Beträge in viele Startups anstatt hohe Beträge in nur ein oder zwei Startups.”

Allerdings ist eine Risikostreuung leichter gesagt als getan. Angenommen, ein Investor hätte in der Vergangenheit sein Crowdinvesting-Portfolio perfekt diversifiziert. Das bedeutet, er wäre bei jedem Startup als Kapitalgeber dabei gewesen. Bei Seedmatch sind Investments ab € 250 möglich, dort hätte er bei 60 jungen Unternehmen insgesamt € 15.000 in die Hand nehmen müssen. Companisto macht es einem erheblich leichter, der Mindestbetrag ist € 5. Bei 30 Startups also eine überschaubare Investitionssumme von € 150. Innovestment: € 500 sind mindestens pro Startup zu finanzieren, das wären also in der Summe € 14.000 gewesen. Bei Fundsters gehen wir von einem Investitionsbetrag in Höhe von durchschnittlich € 500 aus, macht bei 7 Startups € 3.500. Gesamtinvestition: € 32.650. Diese Summe hätte der perfekt diversifizierende Mikroinvestor zur Verfügung haben müssen.

Damit wäre aber das Ziel der Risikostreuung noch lange nicht erreicht gewesen. Denn das Anlagerisiko wird erst durch Investitionen in weniger riskante Klassen gesenkt. Crowdinvesting ist spekulativ. Ein risikofreudiger und langfristig orientierter Geldanleger hätte nicht mehr als 20 Prozent seines Gesamtvermögens in Startups investiert. 80 Prozent wären in risikoarme Anlageformen gegangen. 20 Prozent = € 32.650 (siehe oben), 80 Prozent = € 130.600. Gesamtportfolio: € 163.250.

Fazit: Für ein perfekt risikogestreutes Portfolio hätte ein Investor einen Betrag in Höhe von € 163.250 zur Verfügung gehabt haben müssen, wovon er € 32.650 für Crowdinvesting verwendet hätte. Wie man sieht, ist die Empfehlung der Risikostreuung wenig realistisch. Selbst Investoren, die in der Lage sind, bei einer entsprechenden Risikostruktur ihres Gesamtportfolios € 10.000 in das Crowdinvesting zu stecken, können nur noch 1/3 aller sich dort bietenden Chancen nutzen und müssen entsprechende Klumpenrisiken in Kauf nehmen.

 Crowdinvesting scheidet die Geister (Teil 1)

Wirtschaftswoche – Im Schwarm in die Pleite

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