Triangle versucht es mit FunderNation

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 27.05.2014 – Ausgründungen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen bilden den Beteiligungsschwerpunkt des Venture Capital-Gebers Triangle. Seit 1997 ist das Unternehmen am Markt und hat inzwischen drei Fonds erfolgreich investiert, momentan wird in Kooperation mit der European Space Agency der Open Sky Technologies Fund (OSTF) verwaltet. Jetzt macht man sich auf, um an dem schnellen Wachstum des Crowdinvesting teilhaben zu können: FunderNation heißt die neue, von Triangle gemanagte, Crowdinvesting-Plattform.

Die Orientierung fällt schwer

Allerdings scheint man bei Triangle mit der jungen Branche des Crowdinvesting noch nicht so richtig warm geworden zu sein. Das Team tut sich sowohl mit den Zahlen als auch mit der Terminologie der Branche ziemlich schwer. “Während der letzten zwei Jahrzehnte im Finanzbusiness haben wir keine solch rasante Entwicklung im Bereich der Gründungsfinanzierung erlebt, wie sie das Crowdfunding innerhalb der letzten zwei Jahre bewirkt hat”, so Uli Fricke, Gründerin der Triangle Venture Capital Group und Geschäftsführerin der FunderNation GmbH.  Eine etwas merkwürdige Aussage, denn das  Crowdfunding auf Kickstarter, Indiegogo, Startnext und vielen anderen Plattformen hat nichts mit Gründungsfinanzierung zu tun. Die Geldgeber tätigen keine Investitionen, sondern erhalten für ihren “verlorenen Zuschuss”  lediglich eine Belohnung, zumeist das vorfinanzierte Produkt. FunderNation schreibt in seiner Pressemitteilung: “Laut der European Private Equity & Venture Capital Association sind VC Fonds für Unternehmens­gründungen (sog. Early Stage Fonds) in Europa seit 2007 stetig geschrumpft. Mit einer durchschnittlich jährlichen Wachstumsrate von -13 % wurde bis 2013 gerade mal ein Niveau von 1,7 Milliarden Euro erreicht (1). Zur gleichen Zeit explodierte der Crowdfunding-Markt und erreichte 2013 bei einer durchschnittlich jährlichen Wachstumsrate von erstaunlichen 30 % ein Niveau von 1 Milliarden Euro”. Hier werden jedoch Äpfel mit Birnen verglichen. VC Fonds erwarten nach Ablauf von drei bis fünf Jahren die Rückzahlung ihres Kapitals und eine angemessene Rendite. Im Crowdfunding gibt es, wie gesagt, beides nicht. Dass FunderNation dann auch noch vom spendenbasierten Fundraising spricht, wenn Crowdinvesting gemeint ist, fördert nicht gerade das Vertrauen in die Betreiber dieser Plattform: “Die Finanzinstrumente auf FunderNation ermöglichen Fundraising für eine Vielzahl von Unternehmen.”

Das Konzept

FunderNation bietet in drei verschiedenen Kategorien Anlageinstrumente an: Für neu gegründete Unternehmen, für Wachstumsunternehmen und für den innovtiven Mittelstand. Diese Strategie ermöglicht zumindest eine ansatzweise Risikostreuung, denn Investitionen in Wachstumsunternehmen oder in etablierte Mittelständler  sind wesentlich risikoärmer als Beteiligungen an Startups. FunderNation: “Jedes dieser Instrumente hat ein eigenes Rendite-Modell und damit verbunden ein eigenes Risiko-Rendite-Profil für den Investor. Dieser kann durch die fundierten CFO-Finanzanalysen und die professionelle Aufbereitung der Unternehmens- und Finanzdaten einen klaren Überblick über das Risiko-Rendite-Potential erlangen und ein ausgewogenes Portfolio aufbauen, das seinen individuellen Bedürfnissen entspricht.”

Die hinter FunderNation stehende Triangle Venture Capital Group Management GmbH hat laut einer Übersicht des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften momentan acht Unternehmen im Portfolio. Darunter die iPharro Media GmbH. Diese Gesellschaft taucht nun als erstes Crowdinvesting-Projekt bei FunderNation auf. Eine nicht besonders gelungene Idee.  Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Crowd dazu herhalten soll, das eigene Portfolio mitzufinanzieren.

 

Erstes Crowdinvesting-Projekt auf FunderNation

Quelle: Webseite FunderNation

 

Probleme

iPharro wurde bereits vor Jahren gegründet und hieß ursprünglich Semiotix. Gegenstand: Entwicklung und Vermarktung digitaler Mediensuchtechnologien. Eine zentrale Rolle spielt Hans Geiger. Er ist Geschäftsführer von iPharro, von FunderNation und auch von Triangle. Alles aus einer Hand, sozusagen. iPharro scheint einige Schwierigkeiten zu haben. Erst im April 2014 wurde der Jahresabschluss 2012 veröffentlicht.  Er zeigt einen Bilanzverlust in Höhe von € 6,7 Millionen sowie einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von € 4,0 Millionen. Interessanter Hinweis in den Angaben zur Bilanzierung: “In den Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern sind Darlehens- und Zinsverbindlichkeiten in Höhe von € 4.069.633,04 enthalten, für die mit dem Darlehensgeber ein Rangrücktritt vereinbart ist.” Dort heiß es weiter: “Die Bewertung erfolgte ungeachtet dieser bilanziellen Überschuldung unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit gemäß § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB. Die Gesellschaft geht davon aus, dass die Fortführung des Unternehmens nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist.”

Ein Unternehmen wie iPharro als erstes Projekt einer neuen Crowdinvesting-Plattform zu präsentieren, zeugt nicht gerade von Fingerspitzengefühl.

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