Crowdinvesting: BaFin vergreift sich in der Wortwahl

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 03.06.2014 – “Mögliche Konsequenzen kennen und abwägen”. Diesen Grundsatz empfiehlt die BaFin allen Crowdinvestoren. “Anleger sollten jedoch nicht nur die Vorteile sehen, sondern sich auch darüber im Klaren sein, dass solche Angebote des Grauen Kapitalmarkts grundsätzlich Risiken bergen”, schreibt die Pressesprecherin der BaFin, Sabine Reimer, in ihrem Editorial zum BaFin Journal Juni 2014.  Es sei dahingestellt, ob man mündigen Bürgern tatsächlich raten muss, bei ihren Anlageentscheidungen vorsichtig zu sein. Aber mehr als unglücklich ist die Verwendung des Begriffes “Grauer Kapitalmarkt”. Dieses Segment, in dem man als Anleger entweder der weißen Weste oder dem schwarzen Schaf begegnet, hat praktisch zwei Charakteristiken: 1. Keinerlei staatliche Finanzaufsicht und 2. Vertrieb durch unerwünschte Telefonanrufe, häufig verbunden mit kurzfristigen Hausbesuchen des Anbieters.

Das sind Merkmale, die beim Crowdinvesting nicht zutreffen. Erstens: Crowdinvesting unterliegt grundsätzlich dem Vermögensanlagegesetz beziehungsweise dem Verkaufsprospektegesetz. Soweit Wertpapiere oder Vermögensanlagen, wie Aktien oder stille Beteiligungen angeboten werden, greift gegebenenfalls die Pflicht, vor dem Start ein Vermögensanlagen-Informationsblatt zu erstellen. Zweitens: Crowdinvesting-Projekte werden nicht im Direktvertrieb, sondern auf Plattformen vermittelt, wie Seedmatch, Companisto und Innovestment. Dort findet der Investor alle für seine Entscheidung nötigen Informationen und kann sich mit anderen Interessierten austauschen.

Verantwortung des Anlegers

Die BaFin schreibt: “Ihnen [den Anlegern] muss bewußt sein, dass die meisten Plattformen erlaubnisfrei ausgestaltet sind und es sich somit um Angebote des Grauen Kapitalmarkts handelt. Vom Grauen Kapitalmarkt spricht man, wenn Anbieter keine Erlaubnis der BaFin benötigen und nur wenige gesetzliche Vorschriften erfüllen müssen. Anlagen am Grauen Kapitalmarkt sind zwar nicht per se mit einem größeren Risiko verbunden. Der Anleger begibt sich aber in ein Marktsegment, das nicht staatlich reguliert wird. Weder die Produkte, noch die Seriosität und Bonität der Anbieter und Investoren werden kontrolliert. Zudem gibt es keine laufende Aufsicht, keine Bilanzkontrollen und keine Einlagensicherung. Das erleichtert es leider auch dubiosen Anbietern, ihre Produkte auf dem Grauen Kapitalmarkt zu platzieren. Dies sollte sich jeder Anleger klar machen, bevor er seine Investitionsentscheidung trifft. Er selbst steht in der Verantwortung, ein Produkt zu wählen, das seiner persönlichen Risikobereitschaft und seinen Anlagezielen entspricht”. [V. Müller-Schmale, in: Bafin-Journal Juni 2014].

Fazit

Offenbar möchte die BaFin mit diesem Artikel darauf hinwirken, dass die beabsichtigte Regulierung partiarischer Darlehen, die im Crowdinvesting vorherrschen, von der Branche akzeptiert wird. Wenn partiarische Darlehen zu den Finanzinstrumenten im Sinne des VermAnlG gehören und ab € 100.000 die Prospektpflicht des Anbieters greift, wäre das Crowdinvesting von heute auf morgen im “Weißen Kapitalmarkt” angekommen. Die BaFin hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ein auf das unbürokratische Crowdinvesting zugeschnittener Anlageprospekt wäre ein guter Kompromiss.

Crowdfunding im Licht des Aufsichtsrechts

Regulierung des Crowdinvesting wird verschärft

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