Kritiker der Schwarmintelligenz erhält Friedenspreis

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 09.06.2014 – Was ist digitaler Maoismus? Mit diesem Begriff bezeichnet Jaron Lanier die Annahme, wonach ein Schwarm von Menschen Ideen oder Bewertungen hervorbringen könne, die denen einzelner Menschen überlegen seien. Diese sogenannte Schwarmintelligenz sei nur zur Vorhersage von Marktgrößen, wie Aktienkursen oder Wahlergebnissen, geeignet, aber nicht zum Hervorbringen von Wissen, meint Lanier. Schwarmintelligenz spiegle bloß die Durchschnittsmeinung einer anonymen Masse wider. Wahres Wissen brauche persönliche Kompetenz und Verantwortlichkeit. “In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen”, sagt Lanier.

Pöbelherrschaft

Alles, was von einer gesichtslosen Menschenmasse beziehungsweise von einem anonymen Schwarm ausgeht, ist Lanier höchst suspekt. Nach seiner Auffassung ist die digitale Welt keineswegs davor sicher, vom “Pöbel” regiert zu werden. Den Begriff der Pöbelherrschaft bringt Pierer’s Konversationslexikon von 1857-1865 auf den Punkt: “Sie ist eine Ausartung der Demokratie und unterscheidet sich von dieser dadurch, dass in Letzter der Wille des Volkes als einer Gesamtheit erst dann Gesetzeskraft erhält, wenn er durch eine Reihe organisch gegliederter Einrichtungen hindurchgegangen ist, während in der Pöbelherrschaft oft ein sehr kleiner Teil des Volkes, und zwar meist die niedrigsten, ungebildetsten Klassen desselben, die Herrschaft an sich gerissen haben und den unmittelbarsten, rohsten Ausdruck ihres Willens für den Willen des gesamten Volkes erklären und die unbedingteste Unterwerfung unter denselben von jedem Einzelnen verlangen.”

Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2014

Lanier ist ein kritischer Vordenker des Internets. Er entwickelte den ersten Avatar und prägte den Begriff der virtuellen Realität.  In diesem Jahr erhält er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Aus der Begründung des Börsenvereins: “Bei ihm wird der Missbrauch von Datenmengen durch Konzerne, Geheimdienste und Regierungen genauso thematisiert wie die Gefahr für jeden einzelnen, seine Individualität aufs Spiel zu setzen, insbesondere wenn der Mensch sich intellektuell auf das in der Regel niedrigere Niveau einlässt. Die radikale Reduzierung unserer Persönlichkeiten im Netz, so Lanier, kann und wird unser reales Ich beeinflussen. Was Jaron Lanier im Besonderen auszeichnet und ihn von anderen Kritikern unterscheidet, sind die Lösungsansätze, die er neben aller Kritik in seinen Büchern und Artikeln zur Diskussion stellt. Mit der Forderung nach einem digitalen Humanismus setzt er sich für die Selbstbestimmtheit des Menschen ein, sowohl in der realen Welt als auch in der virtuellen Realität. Hierzu gehört neben dem Schutz des geistigen Eigentums, um die kreative Leistung der Menschen nicht zu beeinträchtigen, auch das Recht eines Jeden auf seine im Netz befindlichen Daten.”

Schwarmdummheit

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