Leser gründen Krautreporter

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 11.06.2014 – “Cool, gleich Zwei Nahost-Geschichten! Das begeistert mich als Politikwissenschaftler mit Nahost-Schwerpunkt und angehender Online-Journalist! Passt aber auf, dass bei der ersten Siedlergeschichte nicht nur Verständnis sondern zumindest auch Kritik durchkommt. Was die Siedler da treiben widerspricht immerhin dem Völkerrecht und das sollte man auch klar so benennen”, meinte Henning Schmidt, als er den von Rico Grimm verfassten Artikelentwurf “Die Siedler: Gott was ist da nur los?” gelesen hatte. Das war um 10:15 Uhr. Eine viertel Stunde später war die Antwort des Journalisten online: “Lieber Herr Schmidt, ich werde versuchen, die Siedler-Perspektiven immer wieder in den Kontext des Landes zu setzen und durch andere Stimmen zu ergänzen. Auch die einschlägigen UN-Resolutionen werden auftauchen, natürlich. Wenn Sie noch weitere Hinweise haben, scheuen Sie sich nicht, sie hier zu nennen. Danke!” Was ist das? Zwei Fachleute beginnen darüber zu fachsimpeln, was in diese Siedlergeschichte hineingehört und wie man das Ganze am besten gliedert. Der eine, Rico Grimm, ist Journalist und der andere, Henning Schmidt, sein Leser. Von diesem Dialog haben beide etwas: Rico Grimms Artikel wird durch neue Perspektiven bereichert und Henning Schmidt freut sich auf eine sorgfältig recherchierte Geschichte mit spannenden Interviews und Hintergründen.

Das Prinzip Krautreporter

Nie mehr wiederkäuen, was andere vorgekaut haben. Nie wieder kurze Texte, um irgendwo im Layout eine Lücke zu füllen. Keinen Zoff mit Lesern, die unmittelbar nach der Veröffentlichung ihrem Ärger über das Geschriebene Luft machen. Statt dessen: Eigene Recherchen an den Orten des Geschehens, gute Gespräche mit den künftigen Lesern und der Hashtag #longread verliert an Bedeutung, weil man durch einen spannenden Text nur so hindurchfliegt und gar nicht bemerkt, wieviele Zeichen man dabei verschlingt. Was werden Leser und Journalisten beim neuen Krautreporter-Magazin gemeinsam haben? Sie werden das erste und einzige Mal in ihrem Leben ein eigenes Magazin gründen! Mit € 60 ist man dabei, sozusagen als Gründungsherausgeber. Und als Journalist wird man fair bezahlt: € 2.000 für acht Artikel pro Monat. Also statt der branchenüblichen € 180 sind es € 250 pro Beitrag und die sich selbst verwaltende Redaktion hat genug Geld für journalistische Recherchen.

Klick-Journalismus und Google-getriebene Geschichte

“Wir müssen verhandeln, welchen Wert Qualitätsjournalismus hat”, fordert Frank Schirrmacher im Horizont-Interview. Was meint der Herausgeber der FAZ damit? Er meint, wir befinden uns an einem kritischen Wendepunkt der dritten industriellen Revolution. In der digitalen Moderne sind die Verlage keine bedauernswerten Nachzügler, die vom Besenwagen eingesammelt werden, sondern die Vorhut. In dieser neuen Welt ist alles und jeder digital, alles und jeder ist Medium. Und die Kontrolle über all das liegt in den Händen von Google und Facebook. Schon vor Jahrzehnten wusste Norbert Wiener, dass diese durch Konkurrenzwut angetriebene Monopolisierung zwangsläufig ist und mit einer Wegrationalisierung geistiger Arbeit einhergeht. In seinem 1948 erschienenen Buch zur Kybernetik schreibt er sinngemäß: Es kann nicht gut sein, dieses neue Kräfteverhältnis zwischen Automaten und Menschen in den Wertbegriffen des Marktes abzuschätzen. Er hat recht. Es gibt keinen Stundenlohn eines sorgfältig recherchierenden Journalisten, der niedrig genug wäre, mit dem Stundenlohn eines seelenlosen Nachrichten-Aggregators zu konkurrieren! Diesem Irrweg sind wir schon viel zu lange gefolgt. Jetzt kehren wir um. Leser und Journalisten gründen das Magazin Krautreporter. Frank Schirrmacher: “Was bei Krautreporter über Klick-Journalismus und Google-getriebene Geschichte steht, teile ich zu 100 Prozent. Viele Verlagsleute hatten aber Angst, das Gleiche zu sagen, aus Angst, als altbacken zu gelten. Nun kommt es als Revolution daher. Dafür bin ich richtig dankbar!” Horizont-Interview.

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