Krautreporter im Spiegel der Presse

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 16.06.2014 – Die verlagsunabhängigen und werbefreien Krautreporter können nach wie vor mit € 60 unterstützt werden. Für diesen Betrag gibt es eine Jahresmitgliedschaft in der Community, die dazu aufgerufen ist, die Entwicklung dieses neuen Magazins mit Rat und Tat zu unterstützen, also: Leser gründen Krautreporter. Am Mittwoch vergangener Woche, 72 Stunden vor dem Ende des Crowdfunding, hatte dieses Projekt erst etwa 9.000 der nötigen 15.000 Unterstützer. Von vielen Seiten hagelte es Kritik und das vorzeitige Scheitern war ausgemachte Sache:

zeitspuk.de (09.06.2024): Warum die Krautreporter scheitern müssen. Niemand braucht ein Produkt, was so ungefähr an die Zeit oder die FAZ heranreicht, das muss auf Augenhöhe sein, mit Qualität überflügeln, mit neuen Ideen inspirieren. Und das alles tun die Krautreporter nicht einmal ansatzweise, zumindest sehe ich keinen Willen zur Exzellenz. Genau deshalb muss das Projekt scheitern.

taz.de (11.06.2014): Mit Aperol Spritz auf die letzen Tage.  Für ihre Idee haben die Reporter viel Lob bekommen. Für ihre Attitüde „Der Onlinejournalismus ist kaputt – wir kriegen das wieder hin“, stürmte die Kritik von allen Seiten: zu arrogant, zu weiß, zu männlich, zu undurchdacht.

Der Tagesspiegel (11.06.2014): “Ihr seid die Crowd”-und ihr seid Kraut von gestern. Wie es aussieht, werden die 15.000 Unterstützer bis Freitag nicht mehr zusammen kommen. Aber ehrlich gesagt bin ich spätestens nach der gestrigen Veranstaltung auch gar nicht mehr so traurig darüber. [...] Das Konzept ist einfach nur noch nicht ausgereift. An dieser Stelle verweise ich auf einen offenen Brief von Dr. Ankowitsch an Sebastian Esser, den Gründer der Krautreporter. Als ersten Grund für seinen Wunsch, dass die Krautreporter scheitern, schreibt Ankowitsch: “Ihr wirkt auf mich wie eine Gruppe freier Journalisten, die darauf hoffen, angestellt zu werden – und nicht wie eine Gruppe von Entrepreneuren, die um jeden Preis eine journalistische Vision verwirklichen wollen.”

Badische Zeitung (13.06.2014): Krautreporter hoffen nochDie Medien und das Internet verbindet eine komplizierte Beziehung. Einerseits bietet das Netz viele neue journalistische Möglichkeiten, andererseits fehlt ein Geschäftsmodell, mit dem die Arbeit der Redaktionen finanziert werden kann. Genau daran könnte auch das Projekt Krautreporter scheitern.

Aber all diese  Totenglöckchen wurden zu früh geläutet. Am Freitag, den 13. um 23:59 Uhr, war das Projekt mit 16.506 Unterstützern erfolgreich beendet. Und auch danach versiegt das Interesse nicht: Im Moment haben die Krautreporter 17.045 Mitglieder. Die Presse:

tagesschau.de (13.06.2014): Hoffnungsprojekt für den Journalismus. Neue Plattformen zu entwickeln sei wichtig, sagt Journalistik-Professor Heijnk. Die Printbranche stecke in einem tiefgreifenden Strukturwandel und jedes journalistische Start-Up sei deshalb zu begrüßen. “Für werbefrei finanzierten Journalismus gibt es aktuell noch kein Patentrezept”, mit “Krautreporter” gehe nun aber ein spannendes Projekt an den Start. Die Diskussion im Vorfeld habe gezeigt, dass es für derartige Projekte eine interessierte und zahlungsbereite Öffentlichkeit gebe.

Zeit Online (13.06.2014): Die Kraut, die sich traut. Die Krautreporter nun haben diese Kräfteverteilung ein wenig aus dem Lot gebracht. Auf einmal steht dort eine Reihe von selbstbewussten Autorinnen und Autoren, die sagen: Meine Arbeit ist etwas wert. Ich will sie gründlich machen, und ich will sie direkt an meine Leser verkaufen, ohne einen Verlag, eine Redaktion dazwischen, denn schließlich sind die Leser meine Partner und nicht die Anzeigenkunden.

FAZ.net (13.06.2014): Wahnsinn – und jetzt ihr. Dass die Kampagne am Ende doch noch gelang, war kein Ausspruch uneingeschränkten Vertrauens in dieses Projekt, sondern vielmehr Vorschusslorbeer: Auch Skeptiker warfen am Ende ihre sechzig Euro in den Topf, um der Sache ein Chance zu geben. Die Krautreporter haben eine Vorlage bekommen, im ersten Jahr ihrer Existenz müssen sie nun beweisen, dass sie mehr haben als eine nette Idee.

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