Krautreporter: Keine Rechnung ohne den Wirt

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 27.06.2014 – Die Krautreporter haben ihre Fundingphase erfolgreich abgeschlossen. Selbstverständlich kann man auch weiterhin Mitglied der Community werden. Die Betonung liegt auf Mitglied, weil es auch in den Händen dieser mittlerweile 17.382 Unterstützer liegt, was aus dem neuen Online-Magazin wird. Krautreporter bietet eine einmalige Chance zur Partizipation. Jeder Einzelne kann über Recherchematerial diskutieren, eigene Informationen und Kontakte einfließen lassen, mit den Autoren Kontakt aufnehmen, Themen anregen und so weiter. Im Grunde sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jede Hilfe ist willkommen. Deshalb ist es völlig richtig, dass Sebastian Esser und seine 27 Aktiven kein am grünen Tisch ausgedachtes Konzept aus der Schublade gezogen haben. Derartige Strategien, die ohne ausreichendes Feedback entstehen, mögen theoretisch reizvoll sein, aber in der Praxis gehen sie meistens schief, weil die Rechnung ohne den Wirt gemacht worden ist.

Die erste Nummer von Krautreporter wird zeigen, wie stark sich die Community eingebracht hat und Einfluss auf das Layout, auf die Funktionen und möglicherweise auch auf die Inhalte genommen hat. Die Erstausgabe muss ein Gemeinschaftsprojekt sein, um einen Onlinejournalismus zu schaffen, der anders und besser ist. Eine der größten Fehlentwicklungen des in den letzten Jahren arg beschädigten “Ausgabeformats” Onlinejournalismus hat Stephan Dörner in der Rolle des Social Media – Redakteurs erkannt. Dörner schreibt in seinem Blog: “Die vorhersehbaren Mechanismen des Social-Media-Erfolgs bringen damit auch ganz neue Gefahren der Beeinflussbarkeit von Journalisten mit sich. Bestand früher vor allem die Gefahr, dass sich Journalisten bei ihrer Berichterstattung von für sie wichtigen Kontakten oder für das Medium wichtigen Werbekunden beeinflussen lassen, besteht inzwischen die Gefahr, dass sie sich von gut organsierten Teilen ihrer Leserschaft zu bestimmten Artikeln verleiten lassen. Im Grunde sehe ich diese Gefahr sogar noch größer und offensichtlicher an, als den möglichen Einfluss von Werbekunden: Während Redaktion und Vertrieb in allen wichtigen Redaktionen Deutschlands getrennt arbeiten, bekommt der einzelne Journalist das Social-Media-Feedback sofort und unmittelbar.” Ein Thema, über das lebhaft diskutiert werden kann!

Statt dessen rüttelt man noch gerne am Grundprinzip des Krautreporters. Bei Horizont.at kommentiert Jakob Steinschaden: “Hier liegt der Hund begraben: Denn Krautreporter wird gar keine Bezahlschranke bekommen, die sicherstellt, dass nur die zahlenden Unterstützer die Storys lesen dürfen und alle anderen nur Tweets, Facebook-Posts oder Anrisstexte als Gustomacher auf das Bezahl-Produkt serviert bekommen. Nein, wer genauer nachsieht, wird feststellen, dass Krautreporter ab September (siehe auch Bericht auf Seite 14) ein frei zugängliches Online-Magazin ins Netz stellen wird. Als 60-Euro-Mitglied soll man vielmehr mit Premium-Funktionen wie Podcasts oder Zugang zu ­einem Kommentarsystem abgespeist werden. Nun besteht die Gefahr, dass Unterstützer enttäuscht sind, weil andere den von ihnen bezahlten Content gratis bekommen, während sie mit Zusatzfunktionen, die sich vielleicht gar nicht brauchen, bedacht werden.”

Die Chancen zur Partizipation haben sich noch nicht genug herumgesprochen, obwohl bei Krautreporter von Anfang an klar war: Die Paywall steht nicht vor dem Inhalt, sondern vor der Community. Krautreporter ist kein elitärer Debattierzirkel, sondern ein Bürgermedium!

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… und dann gibt’s gar keine Paywall

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