Crowdinvesting: Kontroverse um Kleinanlegerschutz

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 05.08.2014 – Wirksamer Schutz vor Vermögensverlusten oder bürokratische Hürde für junge Unternehmen? Die meisten Stellungnahmen sind eher oberflächlich:

Seedmatch.de 05.08.2014

In Zukunft können Gründer oder Projektbetreiber per Crowdfunding de facto maximal 1 Mio. Kapital einsammeln. Das heißt auch: Keine Anschlussfinanzierungen mehr, wenn diese Summe bereits ausgeschöpft und noch nicht vollständig getilgt wurde. Unsere Meinung: Diese vorgeschlagene Grenze von 1 Mio. Euro ignoriert sowohl den durchschnittlich deutlich höheren Kapitalbedarf von innovativen Startup- und Wachstums-Unternehmen, als auch die Maßgabe der europäischen Prospektrichtlinie, die eine zwingende Prospektpflicht erst für Angebote ab 5 Mio. Euro vorsieht. Zum Vergleich: Andere europäische Länder (z. B. England und Italien) haben diesen Schwellenwert übernommen oder sich zumindest hieran orientiert und – im Vergleich zu Deutschland – deutlich höhere Werte angesetzt (z. B. die Niederlande und Schweden, die eine Grenze von 2,5 Mio. Euro setzen).

Companisto.de 31.07.2014

Die Limitierung der Höchstsumme auf 1 Million Euro ist willkürlich und nicht nachvollziehbar. Der deutsche Crowdinvestingmarkt ist – zusammen mit dem Markt in Großbritannien – der größte der Welt und steht jetzt bereits in einem globalen Wettbewerb. Die Hauptwettbewerber der deutschen Crowdinvestingplattformen kommen aus England. Dort sind speziell zur Ermöglichung von Crowdinvestings Gesetze geschaffen worden, die Ausnahmen von der Prospektpflicht für Finanzierungsrunden von bis zu 5 Millionen Britischen Pfund vorsehen. In Großbritannien wurde damit dem Fakt Rechnung getragen, dass viele Unternehmen für die erfolgreiche Entwicklung eine Wachstumsfinanzierung von mehr als 1 Million Euro benötigen. Wenn in Deutschland Unternehmen hingegen nur einen Betrag von 1 Million Euro einsammeln, weil sie die Erstellung eines sehr kostspieligen Verkaufsprospekts vermeiden müssen, ist dies zum Nachteil der Anleger. Denn dadurch sind diese Unternehmen von Anfang an unterkapitalisiert, verfügen also nicht über das nötige Kapital, um ihr Geschäftsmodell umzusetzen. Hierdurch steigt das Risiko der Crowdinvestoren eklatant an. Diese Regelung führt also nicht zu mehr, sondern im Gegenteil zu weniger Anlegerschutz.

gamesindustry 31.07.2014

„Die Pläne der Bundesregierung für ein neues Gesetz zum Kleinanlegerschutz konterkarieren die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele, Deutschland zum digitalen Wachstumsland in Europa zu entwickeln”, sagt Dr. Maximilian Schenk, Geschäftsführer des BIU. “Die Überregulierung moderner Finanzierungsformen wie Crowd Funding und Crowd Investing würden insbesondere der digitalen Spiele-Branche massiv schaden.

Bitkom.org 31.07.2014

Die Pläne der Bundesregierung für ein neues Gesetz zum Kleinanlegerschutz gefährden die Finanzierung von Start-ups in Deutschland. Darauf weist der Hightech-Verband BITKOM hin. „Der vorliegende Gesetzesentwurf schafft die Gratwanderung zwischen Anlegerschutz und Start-up-Förderung nicht wirklich. Jeder, der in Start-ups oder sogar nur in Ideen investiert, weiß, dass er damit ein hohes Risiko eingeht, sich aber auch enorme Chancen eröffnet“, sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Im Netz präsentierten die Gründer ihre Ideen mit Texten, Fotos und Videos. Dort sei es in der Regel sogar möglich, vor einer Beteiligung direkt mit den Gründern Kontakt aufzunehmen, etwa um Fragen zu stellen. Und die Antworten seien für alle Interessenten einsehbar. „Diese Transparenz bei Investitionen in Startups sollten wir lieber auf andere Bereiche übertragen anstatt reglementierend einzugreifen und zusätzliche Anforderungen aus dem vorigen Jahrhundert zu stellen“, so Rohleder.

Impulse.de 04.08.2014

„Das ist ein herber Rückschlag für das Finanzierungsumfeld deutscher Start-ups“, sagt Thomas Reimers, der beim Hamburger Start-up Protonet für Marketing und Vertrieb zuständig ist und die Crowdfunding-Kampagne betreut hat. „In Deutschland gibt es im Vergleich zu den USA nur sehr wenige Venture-Kapitalgeber – und wenn, dann sind die Investoren oft extrem zögerlich und risiko-avers“, sagt er. Eine der wenigen Alternativen sei deshalb das Crowdfunding. „Es ist schade, dass die Bundesregierung nun versucht, dort einen regulatorischen Deckel draufzusetzen.“

Blog smallcapservice.de, 30.07.2014

3. „Damit soll der Anleger die Seriosität und die Erfolgsaussichten einer Anlage einschätzen und eine informierte und risikobewusste Entscheidung treffen können.“

Dieser Punkt 3 schlägt dem Fass den Boden aus. Da soll der Anleger überprüfen können, ob eine öffentlich angebotene Kapitalanlage seriös ist. Moment mal! Alle Kapitalanlagen sollen einer gewissen Regulierung unterworfen werden und sogar die kleinen Angebote der Schwarmfinanzierer sollen bei der BaFin registriert werden. Ja mit welchem Zweck denn, wenn man offenlässt, ob sie seriös sind oder nicht? Welchen Mehrwert erhält der Anleger dadurch denn? Dass er frei entscheiden darf, ob er sein Geld seriös oder unseriös investiert? Wo liegt dann der Unterschied zum Ist-Zustand? Angenommen, der Kleinanleger erkennt, dass es sich bei der angebotenen Kapitalanlage um ein unseriöses Angebot handelt, was hat dann die BaFin vorher bei der Registrierung erkannt? Vermutlich nur den Zahlungsbeleg für den Verwaltungsvorgang. Das ist doch totaler Schwachsinn!

anleger-beteiligungen.de

zu Pkt. 3.: “Damit soll der Anleger die Seriosität …”

Parallel zur Erweiterung des Kreises der in den Prospekt aufzunehmenden Angaben wird die Zugänglichkeit und Aktualität der relevanten Veröffentlichungen zur jeweiligen Vermögensanlage verbessert. Damit soll es dem Anleger ermöglicht werden, die mit der Vermögensanlage verbundenen Risiken besser einzuschätzen:

  • An die Stelle der bislang zeitlich unbegrenzten Gültigkeit von Verkaufsprospekten zu Vermögensanlagen tritt künftig eine maximale Gültigkeit von 12 Monaten, so wie dies bereits bei Prospekten zu Wertpapieren der Fall ist. Damit wird sichergestellt, dass den Anlegern beim Erwerb von Vermögensanlagen ausschließlich Angaben vorliegen, die nicht älter als ein Jahr sind.
  • Zudem werden die Vorgaben für Nachträge, die aufgrund von Entwicklungen innerhalb der Gültigkeitsdauer des Verkaufsprospekts notwendig werden, näher konkretisiert. Geschäftsvorfälle, die zumindest für das laufende Geschäftsjahr erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit des Anbieters zur Erfüllung der gegenüber den Anlegern eingegangenen Verpflichtungen haben, wie eine drohende Insolvenz, sind künftig zwingend in einem Nachtrag aufzunehmen. Zugleich werden die Möglichkeiten für die Aufsichtsbehörde zur Durchsetzung der Nachtragspflicht erweitert.
  • Nach Beendigung des aktiven Vertriebs einer Vermögensanlage trifft den Anbieter künftig für die Restlaufzeit der Anlage die Pflicht zur Abgabe von ad hoc-Mitteilungen, in denen er alle Tatsachen veröffentlichen muss, die seine Fähigkeit zur Rückzahlung und/oder zur Zinszahlung beeinträchtigen können. Auf diese Weise haben die Inhaber von Vermögensanlagen sowie Zweiterwerber stets aktuelle Informationen zur weiteren Einschätzung des Risikos der Anlage zur Verfügung.
  • Sämtliche Prospektangaben sowie ergänzende Dokumente und ad hoc-Mitteilungen müssen zentral auf derselben Internetseite unter demselben Pfad zur Verfügung stehen, auch wenn die Veröffentlichung zeitlich versetzt erfolgt. Damit soll der Anleger alle relevanten Informationen gesammelt an einer Stelle finden können („Internet- Transparenz“). Nachträge sind unter Angabe des Zeitpunkts der Aktualisierung zu dem in eine konsolidierte elektronische Fassung des Prospekts einzuarbeiten, um Anlegern einen leichten Zugriff auf sämtliche aktuellen Informationen zu ermöglichen.

German Crowdfunding Network 01.08.2014

Bereits nach erster Durchsicht sind die folgenden Punkte äußerst problematisch:

  • Die Untergrenze für die Erstellung eines Vermögensanlageprospekts auf 1 Million Euro zu setzen, halten wir für vollkommen unzureichend. Dies insbesondere deshalb, weil in anderen Ländern die Untergrenze wesentlich höher ist.
  • Eine Bereichsausnahme für Crowdinvesting-Plattformen zu schaffen, ist sinnvoll, aber die Ausnahme nur für partiarische Nachrangdarlehen zu gestalten, halten wir für falsch und wenig hilfreich für die Crowd. Je nach Finanzierungssituation sind andere Beteiligungsformen deutlich interessengerechter für beide Marktparteien und verwirklichen damit einen besseren Verbraucherschutz.
  • Die Bereichsausnahme an den Maximalbetrag von 10.000 Euro pro Investor zu knüpfen, ist kontraproduktiv weil damit die Investoren mit den großen Summen, die für eine erfolgreiche Finanzierung genauso wichtig sind, wie die Kleinanleger, von den Plattformen vertrieben werden.
  • Die Einschränkungen der Werbung für Crowdfunding-Projekte halten wir für sehr problematisch und nicht durchsetzbar. Sie können sich auf die gesamte Branche existenzbedrohend auswirken.Sie passen nicht zu den digitalen Kommunikationswegen und widersprechen dem Ansatz, dass man offen und transparent über die Finanzierungsform des Crowdfundings sprechen soll. Es gäbe im Kontext digitaler Medien eine Vielzahl besserer Möglichkeiten, um bei der Investorenkommunikation Verbraucherschutz sicherzustellen.
  • Ein Vermögensanlage-Informationsblatt (VIB) anstelle eines umfangreichen Vermögensanlageprospekts halten wir für sinnvoll, das manuelle Unterzeichnen des VIBs und das Einsenden per Post ist jedoch ein gravierender Medienbruch ohne Nutzen und passt nicht zum Instrument des Crowdfunding und erzeugt unnötigen administrativen Aufwand, der nichts zum Schutz der Crowd beiträgt.

Kleinanlegerschutzgesetz

Tags: , , , ,

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Schlagzeilen

This RSS feed URL is deprecated, please update. New URLs can be found in the footers at https://news [...]

TagesspiegelDigitale EidgenossenTagesspiegel... der von engagierten Nutzern getragen wird. Als crowd [...]

Stuttgarter NachrichtenCrowdfunding: Schwarmfinanzierungen ersetzen immer öfter ...Stuttgarter Nachr [...]

heise onlineCrowdfunding: Start fürs Schweizer Online-Magazin Republikheise onlineEs ist das bisher [...]

Spendenrechtliche Beurteilung von "Crowdfunding"STB Web - Portal für SteuerberaterAls sog. [...]

SZ-Online: Crowdfunding soll Dobritzer Miniplatz mitfinanzieren ...sz-onlineBeim Fußball-Stadtoberli [...]

Merkur.deCrowdfunding: Regionale Projekte hoffen auf viele SpenderMerkur.deCrowdfunding, so Hubert S [...]

TagesspiegelEnzyklopädie der GefühleTagesspiegelAlso startete Tim Krohn ein höchst ungewöhnliches Cr [...]

Märkische Allgemeine ZeitungVier Projekte sahnen beim Crowdfunding abMärkische Allgemeine ZeitungDas [...]

kreiszeitung.deRotenburg: Taina startet Crowdfunding-Kampagne für erstes Album ...kreiszeitung.deRot [...]

Merkur.deAlles oder nichts beim CrowdfundingMerkur.deBad Tölz-Wolfratshausen– „Was einer allein nich [...]

EU Crowdfunding Network

RSS Error: WP HTTP Error: Could not resolve: www.europecrowdfunding.org (Could not contact DNS servers)

Live Crowdfunding .tv

Crowdfunding-Trailer "Flugkraft - Die Doku"

Pressemitteilungen