Crowdinvesting: Sommelier Privé gibt auf

CrowdFundBeat.de Eric Schreyer, 28.08.2014 – Ein weiterer Totalausfall im Crowdinvesting: € 300.000. 715 Companisten verlieren ihr Geld. Der Online-Weinhändler Sommelier Privé hat am 21. August Insolvenzantrag gestellt. Offensichtlich haben die Gründer die Kosten der Kundenakquisition unterschätzt. Das Geschäftsmodell hat nicht funktioniert. Das Unternehmen wurde Mitte Dezember 2013 über Companisto finanziert. Der Crowdinvesting-Vermittler erklärt: “Trotz intensiver Bemühungen in den letzten Monaten ist es dem Berliner Startup nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung zur Fortführung des Unternehmens zu sichern.” Die bei Companisto mit dem branchenüblichen Werbetext eingenommenen € 300.000 haben gerade einmal sieben Monate gereicht. Es ist also nicht die Anschlussfinanzierung, die gescheitert ist, sondern die Gesamtfinanzierung der Existenzgründung. Hat sich beim Start des Unternehmens jemand darüber Gedanken gemacht, wie der Kapitalbedarf der kommenden zwei Jahre gedeckt wird? Offenbar nicht.

Wahrscheinlich lag das Problem darin, dass der Kapitalbedarf schlicht und ergreifend unterschätzt worden ist. Bei der Anschlussfinanzierung dürfte es nicht um die Finanzierung von Investitionen gegangen sein, sondern um die Frage, wie die aufgelaufenen Verluste ausgeglichen werden können. Derartige Herausforderungen schrecken Kapitalgeber ab. Sie wollen eine Rendite sehen und keine Löcher stopfen. Das Scheitern von Sommelier Privé war also durchaus absehbar. Die Gründer gegenüber Companisto: “Ja, wir mussten Anfang des Jahres feststellen, dass unser ursprüngliches Geschäftsmodell keine Überlebenschance gehabt hätte. Dies liegt primär daran, dass die Kundenakquisitionskosten in diesem Modell zu hoch waren. Die Vielzahl der Wein-Online-Anbieter hat die Kundenakquisitionskosten explodieren lassen, während der Margendruck durch Preis-Player auf umsatzstarken Marken zu stark ist. Daher haben wir daraufhin unser Geschäftsmodell angepasst und die Entwicklung einer mobilen App nach dem Vorbild von Vivino – jedoch mit Kaufoption und Sommelier-Empfehlungen – gestartet. Hierdurch wollten wir geringere Kundenakquisitionskosten erreichen, während wir noch mehr Kunden in den Genuss unseres USPs der Weinkuration und persönlichen Empfehlung hätten bringen können. Das Feedback von Kunden, Journalisten und Investoren war hierauf sehr positiv. Leider ist uns nun jedoch zwei Wochen vor Fertigstellung der App die Luft ausgegangen.”

In der Rückschau war das Scheitern bereits Anfang 2014 klar. Das bei Companisto am 14. Januar 2014 gepostete Update hörte sich jedoch ganz anders an: “Über die vergangenen Wochen haben wir eine Reihe von Marketing-Kanälen zur Erstkunden-Akquise getestet. Dabei haben wir mit einem Sonderpaket mit 50% Preisvorteil sehr gute Erfahrungen gemacht, das sich über Facebook und Paketbeileger mit verschiedenen Kooperationspartnern besonders gut verkauft hat. Das erste Quartal 2014 werden wir nun ganz der SEO (search engine optimization) widmen. - Wir freuen uns besonders, Euch drei neue Team-Mitglieder vorzustellen: Juliane Röthig, Sergei Fink und Elisabeth Pieper. Juliane ist Betriebswirtin und war zuvor in der Logistik bei Westwing tätig. Sie ist vorrangig für die Analyse und Optimierung von Prozessen zuständig und unterstützt uns zudem im Marketing. Sergei ist Diplom-Ingenieur und hat in den vergangenen Jahren Erfahrung als selbstständiger Frontend-Entwickler gesammelt. Als ebenjener unterstützt er uns, sowie im Online-Marketing. Elisa hat an der UdK Visuelle Kommunikation studiert und betreut als Praktikantin unseren Blog und unseren neuen Instagram-Account.”

Vielleicht hätten die Gründer zu diesem Zeitpunkt besser die Notbremse gezogen und noch einen großen Teil der über Companisto erhaltenen Nachrangdarlehen zurückzahlen können!

Interview zum Scheitern von Sommelier Privé

Crowdinvesting für Sommelier Privé

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